Die Geschichte der „Providence“ (Vorsehung)
„Während der Kluge am Ufer blieb, um eine Furt zu suchen, hat der Verrückte den Fluss überquert. (Orientalischer Spruch)
Die Einrichtung der Providence, Schule und Pensionat, dann Schule und Waisenhaus, war eine der größten Leistungen des Pfarrers von Ars und sicherlich die von ihm am meisten geliebte, denn sie galt den besonders verletzlichen Menschen. In ihr konnte er ganz und gar außergewöhnlich Liebe, Vertrauen und Gehorsam bezeugen.
I - Eine Liebe ohne Grenze
Seit seiner Ankunft in Ars war Jean-Marie Vianney erschüttert über die geringe Unterweisung, die die Kinder des Dorfes erhielten.
Ein durchreisender Lehrer unterrichtete etwas Lesen und Schreiben in einem veralteten Raum des Rathauses, aber nur während der Wintermonate. Noch dazu waren viele Kinder auch von dieser bescheidenen Bildung ausgeschlossen, da ihre Eltern es für nützlicher hielten, sie auf dem Bauernhof arbeiten zu lassen. Die Unterweisung der Mädchen wurde besonders vernachlässigt: während fast drei Viertel der Männer von Ars das Pfarrregister am Tag der Hochzeit unterschreiben konnten, war nur ein Drittel der jungen Frauen dazu fähig. Zusätzlich schufen die gemischten Kurse eine Freizügigkeit, die manche besorgniserregend fanden.
Sicher, diese Situation hatte nichts Außergewöhnliches und fand sich in der Mehrzahl der Dörfer Frankreichs. Viele Mitbrüder des Pfarrers von Ars beklagten dies sicher genauso wie er, aber mangels materieller Mittel gaben sie sich damit zufrieden zu hoffen. Der Heilige Pfarrer von Ars aber entschied zu handeln und startete so in ein Abenteuer von mehr als 20 Jahren.