Die Geschichte der „Providence“ (Vorsehung)

„Während der Kluge am Ufer blieb, um eine Furt zu suchen, hat der Verrückte den Fluss überquert. (Orientalischer Spruch)

Die Einrichtung der Providence, Schule und Pensionat, dann Schule und Waisenhaus, war eine der größten Leistungen des Pfarrers von Ars und sicherlich die von ihm am meisten geliebte, denn sie galt den besonders verletzlichen Menschen. In ihr konnte er ganz und gar außergewöhnlich Liebe, Vertrauen und Gehorsam bezeugen.

I - Eine Liebe ohne Grenze

Seit seiner Ankunft in Ars war Jean-Marie Vianney erschüttert über die geringe Unterweisung, die die Kinder des Dorfes erhielten.
Ein durchreisender Lehrer unterrichtete etwas Lesen und Schreiben in einem veralteten Raum des Rathauses, aber nur während der Wintermonate. Noch dazu waren viele Kinder auch von dieser bescheidenen Bildung ausgeschlossen, da ihre Eltern es für nützlicher hielten, sie auf dem Bauernhof arbeiten zu lassen. Die Unterweisung der Mädchen wurde besonders vernachlässigt: während fast drei Viertel der Männer von Ars das Pfarrregister am Tag der Hochzeit unterschreiben konnten, war nur ein Drittel der jungen Frauen dazu fähig. Zusätzlich schufen die gemischten Kurse eine Freizügigkeit, die manche besorgniserregend fanden.
Sicher, diese Situation hatte nichts Außergewöhnliches und fand sich in der Mehrzahl der Dörfer Frankreichs. Viele Mitbrüder des Pfarrers von Ars beklagten dies sicher genauso wie er, aber mangels materieller Mittel gaben sie sich damit zufrieden zu hoffen. Der Heilige Pfarrer von Ars aber entschied zu handeln und startete so in ein Abenteuer von mehr als 20 Jahren.

Rigorismus und Heiligkeit

Bei der Erforschung der Persönlichkeit von Jean-Marie Vianney könnten manche sich darüber wundern, bei ihm eine Strenge zu finden, die mit einer Art des Rigorismus verwandt zu sein schien, besonders während seiner ersten Jahre in Ars. Aber was genau ist Rigorismus und welche Rolle könnte er im Leben des heiligen Pfarrers gespielt haben?

I - Die Zeit des Rigorismus

Das Wörterbuch der Französischen Akademie definiert den Rigorismus als „die genaue und oft übermäßige Beobachtung von Prinzipien und Regeln, insbesondere in Fragen der Moral und Religion“. Diese Tendenz, die in bestimmten Epochen in den meisten Religionen auftrat, führte nicht zuletzt zu verschiedenen Formen des Fundamentalismus.

Der Pfarrer von Ars außerhalb der Mauern, in Neuseeland

Die „kleine Schwester“ des Pfarrers von Ars lässt Pilger aus Neuseeland kommen.

Der demütige Pfarrer von Ars hat durch sein heiliges und strenges Leben hunderte Personen inspiriert, die nach Ars aufgebrochen sind, um zu beichten und die Ratschläge des demütigen Pfarrers zu erhalten. Eine dieser Personen, die nach Ars in der Mitte des 19. Jahrhunderts kam, ist ein junges Mädchen, von ihrer Mutter aus Lyon dort „hingeschleppt“, um sich offiziell durch den Heiligen Pfarrer ausschelten zu lassen. Sie wurde letztendlich „die kleine Schwester des Pfarrers von Ars“ durch Papst Pius X. genannt. Das junge Mädchen war Suzanne Aubert, heute ehrwürdige Dienerin der Kirche, die bald die erste Heilige von Neuseeland werden könnte. Es ist diese kleine Schwester des Pfarrers, die heute die Neuseeländer an ihre katholischen Wurzeln erinnert. Suzanne Aubert inspiriert Pilgerreisen von Neuseeland bis Ars…

Pfarrer von Ars – Spiegel der Geduld Gottes

Eine Stunde Geduld ist mehr wert als mehrere Tage Fasten
17.02.2024 Heinrich Maria Burkard

Der Heilige Pfr. von Ars hat mit der Geduld gerungen, er war vom Naturell aus überhaupt kein geduldiger Mensch.

Ein paar Hintergründe zu dem Wort Geduld: Das lateinische Verb patior heißt ertragen, erdulden, aushalten und zulassen, hinnehmen. Patientia, da kommt unser Wort Patient her, erleiden, erdulden, Genügsamkeit, Nachgiebigkeit. Passio = Leiden, Leidenschaft. Geduld, dulden = tragen und erdulden, fähig und bereit zu sein, einstecken zu können. Geduld und Zorn sind im Seelenkampf Gegenstreiter. Wer lieben will, es geht zentral immer um die Liebe, braucht Leidensfähigkeit. Die Fähigkeit einstecken zu können um der Liebe willen, um das geht es eigentlich.

Pfarrer von Ars – Spiegel der DEMUT Gottes

Pfr. Walter Böhmer, Kaufbeuren 16.02.2024

Ein Heiliger wurde einmal gefragt, welche die erste unter den Tugenden sei. Er antwortete: „Die Demut.“ – „Und die zweite?“ – „Die Demut.“ „Und welche die dritte?“ – Und er antwortete wieder: „Die Demut.“
[aus: Janine Frossard (Hrsg.) Ausgewählte Gedanken des heiligen Pfarrers von Ars, S. 88]

Der Pfr. von Ars hat die Demut nicht erworben, er hat mitgewirkt, er hat sie letztendlich geschenkt bekommen. Jeder von uns, der sich auf den Weg macht, kann sie nicht erwirken, er kann sie nur erbitten, er kann sich nur bereit machen.