16. Sonntag im Jahreskreis 19.07.2020 Lesejahr A

„„Das sagten die Knechte zu ihm: sollen wir gehen und es (das Unkraut) ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lass beides wachsen bis zur Ernte …Mt 13,28,ff

„Das Herz des Menschen wird auf Erden bis ans Ende eine Mischung von Gut und Böse, von Laster und Tugend, Licht und Finsternis, von gutem Samen und Unkraut bleiben.“ °Pfr. von Ars

Schwierig ist der Umgang mit dem Bösen in unserem Leben und in unserer Umgebung. Gerne würden wir es ausreißen, so wie die Knechte im heutigen Evangelium es wollten.  Doch  da steht ein großes Nein des Herrn dagegen. Aber oft fällt es uns schwer, dieses Nein zu begreifen. Es wäre doch so schön, wenn wir im Frieden und im guten Miteinander leben könnten, dem Herrn zur Ehre, so unsere Vorstellung.

Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken – zum Glück. In unserer Kurzsichtigkeit erblicken wird das Böse viel leichter im Nächsten als in uns selbst und würden anfangen, dort das Unkraut zu jäten, wahrscheinlich zum Schaden für den Anderen und uns selbst.

Mit seiner großen seelsorgerischen Erfahrung wusste der Pfarrer von Ars, dass guter Samen und Unkraut in jedem Menschen bis zum Ende bleiben. Wenn wir auf sein Leben schauen, können wir uns auch das kaum vorstellen. Aber er war Gott so nahe, dass er auch den Hauch einer Herzensregung, die Gott nicht entspricht, erkannte und darunter gelitten hat. Genau diese Erkenntnis hat ihn in die große Demut geführt, von sich selbst nichts zu erwarten, dafür aber alles vom Herrn. So waren in seinem Leben zahlreiche Bekehrungen und Wunder möglich, weil der Herr mächtig durch ihn wirken konnte.

Die Kirche besingt in der Osternacht die „felix culpa“, die glückliche Schuld, weil der Herr stärker ist als alles Böse in der Welt und auch das Böse zu Seiner Verherrlichung und zu unserem Heil zu lenken weiß.

In Adam und Eva war dieses Böse nicht. Sie haben dies aber nicht als Geschenk Gottes erkannt  und wollten daher  wie Gott sein. Auch in der Neigung Unkraut ausreißen, liegt versteckt der Wunsch aus eigenen Kräften gut zu sein und so die völlige Abhängigkeit von Gott nicht mehr zu benötigen.

So wie der Herr sich ganz vom Vater abhängig gemacht hat, gesprochen, was Er gehört hat, getan, was Er gesehen hat, sollen und dürfen auch wir uns vom Vater völlig abhängig machen. Das ist eine ungeheure Entlastung, besonders wenn wir an unseren eigenen Unzulänglichkeiten, Schwächen und Sünden leiden. Gott ist größer! Was für ein Trost!

25.06.2020 ih

 

°Aus:  Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 288