„So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, dass ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.“ Lk 2,16,ff
„Am 8. Mai des Jahres 1793 wurde der Knabe sieben Jahre alt. Er war bereits stark genug, um mitzuhelfen. Seine Hauptarbeit sollte das Hüten der Herde sein…. Inmitten des Gedränges und der Begeisterung der Volksmassen hört man ihn später nach diesem heimatlichen Gelände seufzen, … weil er dort „Zeit fand, um zum lieben Gott zu beten“. °
„Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist (Ez 34, 16). Diese tröstliche Verheißung haben wir am Christkönigssonntag, dem Ende des letzten Kirchenjahres gehört. Heute erfüllt der Herr Sein Wort.
Gott hatte David von der Weide geholt und zum Hirten Seines Volkes erwählt, damit er im Auftrag des Herrn für das Volk sorge. Diesen Hirtendienst wollte der Herr von Geschlecht zu Geschlecht Seinem Volk zuwenden. Aber die späteren Hirten haben immer weniger an das Volk, sondern immer mehr an eigene Macht und Vorteil gedacht.
So war die Stellung eines Hirten, der einst Führungspersönlichkeit war, zur Zeit der Geburt Jesu auf die unterste Stufe des Ansehens gesunken.
Der Herr aber vergisst Seine Verheißung nie und erwählt verachtete Hirten, die als Erste die Geburt Christi, des Retters, des Herrn verkünden. Die ersten Empfänger dieser durch Menschen weitergegebenen Botschaft sind Maria und Josef.
Die Hirten selbst rühmten Gott und priesen Ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten.
Der Herr schenkt einen Neuanfang und will wieder durch Menschen der Hirte Seines Volkes sein.
„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe (Joh 10, 11)“. So offenbart sich der Herr selbst und gibt für alle Zeiten die Weisung für das Hirtenamt in Seiner Kirche. Papst, Bischöfe und Priester haben als erstes diese Hirtenaufgabe, die jedoch nicht auf sie allein beschränkt ist. Wenn Gott für Recht zwischen Schaf und Schaf sorgt (Ez 34, 17a), dann sind auch die Gläubigen eingeladen, füreinander zu sorgen.
Der Pfarrer von Ars kannte von Kindheit an die Aufgaben eines guten Hirten. Er hatte Verantwortung für die Tiere, aber auch für die kleine Schwester Gothon, die ihn begleitete, und kümmerte sich auch um andere Kinder, die in seiner Nähe ebenfalls Tiere hüteten. Das Zentrum seines Wirkens aber war seine Verbindung zu Gott im Gebet, wann immer es möglich war. Von oben her bekam er schon als Kind Kraft für seine Aufgabe.
Dies sollte ein Leben lang so bleiben. Immer auf Gott ausgerichtet, konnte die Gnade durch ihn im reichen Maß auf alle Menschen fließen, die zu ihm kamen.
Mit dem heiligen Pfarrer von Ars können wir an der Krippe erneut die Gnade empfangen, Hirten für die uns anvertrauten Menschen zu sein. Beten wir mit ihm aber auch für alle unsere geistlichen Hirten, dass sie ihren Dienst in der Demut und Hingabe des neugeborenen Kindes erfüllen. Unsere Hirten brauchen nicht unsere Kritik, sondern unser Gebet. So werden auch wir immer mehr in den uns zugedachten Hirtendienst hineinwachsen.
30.11.2023 ih
Aus: Fancis Trochu, Der Pfarrer von Ars, 2001, S.23f