4.Adventssonntag 19.12.2021 Lesejahr C

„Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Und es geschah: Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt.“ Lk 1,40f

„Es ist auch über allen Zweifel erhaben, dass Vianney Offenbarungen hatte. Die erste hatte er bei seiner Ankunft in der Pfarre; er hat sie einem Confrater anvertraut, um denselben in seiner Betrübnis zu ermuntern: „Als ich ankam, war ich voll Sorge und Furcht, ich ging weinend umher; als ich meine tränenfeuchten Blicke erhob, sah ich das Kreuz, welches am – Wege steht (er nannte den Ort); ich fiel davor auf die Kniee nieder und betete seufzend: da erschien mir die heilige Jungfrau und sagte zu mir: „Gehe vertrauensvoll zurück nach Ars; in kurzer Zeit wird man in Frankreich und in anderen Ländern von diesem Orte sprechen.“ Darauf verschwand sie.“…


Später erschien ihm die Mutter Gottes in der Kapelle, welche ihr in Ars geweiht ist; sie trocknete seine Tränen und kündigte ihm die Bekehrung seiner Pfarrkinder an.“°

Maria hat es eilig, ihrer Verwandten Elisabet in den Belastungen der Schwangerschaft im bereits fortgeschrittenen Alter helfen zu können. So grüßt sie auch als erste Elisabet. Und schon fließt die Gnade auf das Kind im Mutterleib, das vor Freude hüpft. Die Gnade fließt weiter auf Elisabet, die sofort die  besondere Begnadung Marias erkennt.

Maria ist in die Schule des Erzengels, ja die Schule Gottes gegangen und wurde zu einem Kanal göttlicher Gnaden. Der Engel war es, der zuerst Maria gegrüßt hat, den  sie nicht auf diese Weise erwartet hatte. Sie wurde überrascht. In der Offenheit ihres Herzens für Gottes Willen und Wirken wurde sie das Ja der ganzen Menschheit Gott gegenüber.

Gott hat den ersten Schritt auf Maria gemacht. Und so macht Maria auch den ersten Schritt auf Elisabet, zur Begrüßung, zur Hilfe.

Haben wir schon einmal daran gedacht, dass nicht wir die Initiative ergreifen, wenn wir das „Gegrüßet seist du Maria …“ beten, sondern Antwort geben auf das Angebot Marias uns helfen,  beizustehen und zu führen? Sie schaut als erste auf uns, bereit die Fülle der Gnaden, die durch sie fließen, auf uns weiterströmen zu lassen, wenn wir sie denn mit offenem Herzen annehmen möchten.

Der Pfarrer von Ars hat das schon ganz am Anfang seiner Tätigkeit erfahren. In seiner Ratlosigkeit kam ihm Maria zu Hilfe. Und auch später durfte er immer wieder diese Hilfe erfahren. Die Weihe seiner Pfarrgemeinde an das Unbefleckte Herz Marias war eine Antwort auf die Erfahrung ihres Beistandes.

Lassen auch wir es zu, dass Maria als erste auf uns schaut und schon längst bereit ist, uns zu helfen, bevor wir uns im Gebet an sie wenden. Unser Gebet bekommt eine andere Dimension, wenn wir es als Antwort sehen und nicht als Initiative. Es führt uns in die Spuren göttlichen Wirkens.

Auf diesem Weg ist der Pfarrer von Ars ganz bestimmt unser Begleiter.
ih 2.12.2021

° Aus:  X. M B…Das innere Leben  des im Geruche der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars J. M. Vianney, 1867, Regensburg S.137f