32.Sonntag im Jahreskreis 6.11.2022 Lesejahr C

„Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt. Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.“ Lk 20, 37f

„In einer Nacht war dieses moralische Leiden sehr heftig, und er bat den Herrn inständig, ihn doch davon zu befreien. Er dachte diese Gnade zu erlangen, wenn er bezüglich la Salette’s  einen Akt des Glaubens erwecke. Er sprach es also aus! Credo, ich glaube. Sofort war er von diesem Schmerze, der ihn seit vierzehn Tagen quälte, befreit. Er fühlte sich so erleichtert, als habe man einen Sack Blei von seinen Schultern genommen“ °Generalvikar Guillemin von Belley über den Pfr. von Ars

Auferstehung! Niemand kann sie sich vorstellen. Nachprüfbare Beweise im wissenschaftlichen Sinn für die Auferstehung gibt es nicht, so wie auch die Gottesbeweise eigentlich nur Hinweise sind. Sonst wäre es einfach, Menschen von der Existenz Gottes und der Auferstehung zu überzeugen. Aber im transzendentalen Bereich helfen irdische Methoden der Beweisführung nicht weiter. Es geht nicht um Wissen, sondern um das Sein in Gott hier auf der Erde und nach dem Tod in der Ewigkeit.

Was unserer Nachprüfbarkeit entzogen ist, kann verschiedene Reaktionen hervorrufen. Die Sadduzäer, die nicht an die Auferstehung glauben, wollen sie durch eine unsinnige Frage lächerlich machen. Sie sind also gar nicht auf der Suche nach der Wahrheit, sondern wollen nur ihre Überzeugung bestätigt wissen.

Aber der Herr antwortet auf einer anderen Ebene. Er lässt sich nicht provozieren, sondern bleibt der Verkündigung der Wahrheit treu. In jener Welt werden diejenigen, die dazu gewürdigt werden, den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sein. Solch eine Vision kann das Herz eigentlich nur in Liebe und Sehnsucht entflammen. Und doch bleiben die Sadduzäer bei ihrer Ablehnung der Auferstehung. Sonst könnte Paulus diese Tatsache nicht als Argument vor dem römischen Hauptmann zu seiner Verteidigung einsetzen (Apg 23,6).

Der Herr lässt also den Sadduzäern sowie auch jedem Menschen die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben.

Wie können Glaubenszweifel, vor denen niemand gefeit ist, überwunden werden? Die Sehnsucht nach Wahrheit darf nicht völlig erloschen sein.

Der Pfarrer von Ars hat nie an Glaubenswahrheiten gezweifelt und kannte jedoch schmerzlich das Ringen um den Glauben. 1850 begegnete er Maximin, einem der beiden Seherkinder aus La Salette, der nun leugnete,  die hl. Jungfrau oder überhaupt etwas gesehen zu haben. Dies stürzte den Pfarrer von Ars, der eigentlich von den Erscheinungen in La Salette überzeugt war, in tiefe Zweifel.

„ Wenn Sie wüssten, welch drückende Last, welche Kälte, welche Folter das in meiner Seele bewirkt!“ sagte Vianney einst zu einem Pilger … „o, ich halte es so nicht länger aus! Mein Gott, erlöse mich davon! So oft ich dahin gelange, nicht mehr zu zweifeln, so finde ich sofort den Frieden wieder, und ich bin leicht wie ein Vogel! – Aber der Teufel stürzt mich immer wieder in meinen Zweifel, und dann ist‘s mir, als schleppte man mich über Stock und Steine daher.“ Diese Prüfung dauerte acht Jahre lang.°²

Erst 1858 konnte Jean Marie Vianney durch den Glaubensakt „Credo“ die innere Sicherheit und den inneren Frieden wiederfinden. Welch ein langer Leidensweg!

Zum Glauben gehören ein Willensakt und eine Bitte an den Herrn um diesen Glauben.

Der Herr lässt uns unsere Freiheit, aber Er lädt uns heute erneut  ein, aus ganzem Herzen mit dem Pfarrer von Ars das Credo an die Auferstehung zu sprechen.
6.10.2022 ih

Aus: Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen

Pfarrer von Ars  Joh. Bapt. Maria Vianney, 2. Bd. 1863, 183; °² ebenda, S. 181