Gründonnerstag 1.04.2021 Lesejahr B

 

„Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.“ Joh 13, 3f

 

„Seit Beginn seiner Teilnahme an den Priesterkonferenzen, erzählt Catherine Lassagne, ging er manchmal ziemlich unordentlich dorthin und seine Soutane war kaum sauber. Eines Tages sagte ihm jemand: „Man muss mindestens eine saubere Soutane anziehen.“ Er antwortete: „Das ist gut genug für den Pfarrer von Ars. Wenn man Pfarrer von Ars sagt, will man alles sagen. Diese Herren sind um mich herum, einer berührt meine Soutane, der andere meinen Hut: das ist Pfarrer von Ars, das wär‘s!“°

Der Evangelist Johannes berichtet nicht  die Einsetzungsworte beim Abendmahl wie die Synoptiker. Stattdessen schenkt er uns den Bericht von der Fußwaschung Jesu an Seinen Aposteln. Aber immer schenkt Sich der Herr ganz.

Das Leinentuch bei der Fußwaschung erinnert an die Windeln in der Krippe, an das Leichentuch Christi, an das Corporale auf dem Altar bei jeder hl. Messe. Es geht also nicht in erster Linie um den Sklavendienst der Reinigung der Füße, sondern um die Reinigung der Herzen, sodass der Mensch mit dem Herrn wieder eins werden kann. Die große Tragik liegt darin, dass der Mensch sich verweigern kann, sowie Judas. Er wurde auch durch das Waschen der Füße nicht rein.

Dem Pfarrer von Ars ging es zuerst immer darum, ganz mit dem Herrn in Reinheit des Herzens eins zu sein und seine Gläubigen in diese Einheit mithineinzunehmen. So erträgt er nicht nur Kritik seiner Mitbrüder, sondern verweist in seiner eigenen Person mit seiner Kleidung, die nicht gesellschaftlichen Anforderungen entspricht, auf das Wesentliche.

An diesem Gründonnerstag wirbt der Herr erneut um uns in großer Demut und Liebe und lässt uns dabei die Freiheit, sich Ihm zu verweigern. Lassen wir Ihn nicht warten in Seiner Sehnsucht, sondern beantworten wir Seine Selbsthingabe mit einer Ganzhingabe unseres Lebens an Ihn. Der Pfarrer von Ars wird uns auf diesem Weg helfen.
16.03.2021 ih

°Aus: Mgr René Fourrey, Le Curé d Ars, authentique 2009, S.140, übersetzt ih