„Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, dass ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Joh 6,51f
„O! was ist der Priester Großes! Wenn er es verstünde, würde er sterben … Gott gehorcht ihm: er spricht zwei Worte und auf seine Stimme steigt unser Herr vom Himmel herab und verschließt sich in einer kleinen Hostie.“ ˆPfr. von Ars
Wir können heute an kein Ende kommen in der Anbetung, Betrachtung, im Jubel über dieses Sakrament der heiligen Eucharistie, das den Gründonnerstag zum Leuchten bringt. Gleichzeitig gedenkt die Kirche am Gründonnerstag auch der Einsetzung des Priestertums. Sollten wir dann nicht auch am heutigen Tag in großer Dankbarkeit an den Dienst des Priesters denken, ohne den es keine Eucharistie gibt?
Der Pfarrer von Ars hat in stundenlanger Anbetung vor dem Allerheiligsten immer tiefer die Größe und Herrlichkeit Gottes erkannt, gleichzeitig mit dem tiefen Bewusstsein der Unwürdigkeit eines Menschen, diese Berufung zu leben. Er sprach sehr oft über die Größe des Priestertums, ohne darin im Geringsten seine eigene Ehre zu suchen. Jede Ehre gebührt allein Gott.
In seinem eigenen Leben hat er viel Kritik, Schmähungen, Angriffe von Seiten der Gläubigen und – was noch schlimmer war – von Seiten seiner Mitbrüder erfahren und hat sich persönlich nie verteidigt.
„Ach, sprecht nichts Böses von den Priestern!“°², bezieht sich nicht auf seine persönliche Ehrenrettung, sondern dient allein der Ehre Gottes, der im Priester wirkt.
Vianney hat sehr häufig das Beispiel der Heiligen angeführt, um seine Verkündigung lebendig zu gestalten. Die heilige Katharina von Siena hat in ihrem Gespräch mit Gott ausführlich erfahren, wie sehr das, was man den Priestern antut, Ihn selbst trifft: „Ich will nicht, dass meinen Dienern trotz ihrer Fehler weniger Ehrerbietung entgegengebracht wird … weil jede Ehrerbietung, die man ihnen entgegenbringt, nicht ihnen, sondern Mir entgegengebracht wird, Kraft des Blutes, das zu spenden ich ihnen anvertraut habe. Wenn das nicht wäre, müsstet ihr ihnen nicht mehr oder weniger Respekt erweisen als anderen Menschen auch. Doch es ist dieses Amt, das euch gebietet, ihnen Ehrerbietung entgegenzubringen – nicht um ihretwegen, sondern um der Vollmacht willen, die ich ihnen verliehen habe – und zu ihnen zu kommen, wenn ihr die heiligen Sakramente der Kirche empfangen wollt“°³.
Ausführlich erörtert Gott vor Katharina die Würde des Priesters, selbst wenn er in tiefer Schuld lebt. Es ist nicht die Aufgabe der Menschen, ihn zu beurteilen. Das hat sich Gott selber vorbehalten. Wenn Gott die Ehre des Priesters fordert, so gilt diese Ehre Ihm allein.
Vianney ist von diesem Geheimnis tief erfüllt, spricht jedoch nicht ausführlich darüber, um nicht den Eindruck zu erwecken, es ginge um ihn selbst. Einer Frau gegenüber hat Gott dies geoffenbart. Sie kann eher das empfangene Wort Gottes weitergeben, weil sie davon nicht persönlich betroffen ist.
Sind diese Gedanken nicht auch heute äußerst wichtig? Auch wenn ein Priester die Lehre der Kirche vertritt oder aber auch nicht, so können wir seine Äußerungen annehmen oder mit Argumenten ablehnen. Niemals aber dürfen Priester diffamiert werden, wie dies Priestern, die des Missbrauchs schuldig geworden sind, häufig geschieht. Es muss alles gemacht werden, was möglich ist, um Missbrauch zu verhindern. Das Urteil über die Priester wird letztlich aber Gott sprechen.
Der Heilige Pfarrer kannte die Schwäche der Priester und hat seine Gläubigen immer wieder aufgefordert, für sie zu beten, zu beten und zu beten.
Wären die Spaltungen der Kirche nicht gar so tief, wenn alle das Gesetz der Barmherzigkeit dem Priester gegenüber beachten würden? Das heutige Fronleichnamsfest ist ein Anlass zur Neubesinnung und zu Umkehr. Wenn wir wirklich dankbar für das Sakrament der Eucharistie sind, so muss unser Dank Gott gegenüber auch für das Sakrament der Priesterweihe tief sein. So erweisen wir Gott allein die Ehre, der in Seiner Größe sich so unfassbar klein macht, um sich vom Wort eines Priesters abhängig zu machen. Der Heilige Pfarrer wird Gott für jedes unserer Gebete für Priester besonders danken.
5.05.2026 ih
° Aus: Jean-Marie Viianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 119f
°² ebenda S. 122
°³ Caterina von Siena, Der Dialog,2017, S.280
