Darstellung des Herrn 2.02.2025 Lesejahr C

„Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm.“
Lk 2,25

„Die Weltmenschen haben den Heiligen Geist nicht oder wenn sie ihn haben, dann nur vorübergehend. Er hält sich bei ihnen nicht auf. Der Lärm der Welt lässt ihn weggehen.“ ° Pfr. von Ars

Viele Menschen waren im Tempel von Jerusalem, als die Eltern Jesu das Kind dorthin brachten, um es dem Herrn darzustellen. Das ganze Volk hat auf den Messias, den Erlöser gewartet. Nun war Er bei ihnen und die Menge erkannte Ihn nicht.
Aber dort war auch Simeon, der auf den Trost Israels wartete. Sein Leben entsprach seiner Erwartungshaltung. Er war gerecht und fromm. So ruhte auf ihm der Heilige Geist. Er vertraute auf die Zusage des Heiligen Geistes, dass er den Tod nicht schauen werde, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Lange Jahre hatte er offensichtlich gewartet, denn nun war er alt und stand kurz vor seinem Tod. Dennoch hatte er nicht aufgehört zu warten und zu hoffen. Dazu war er nur in der Kraft des Heiligen Geistes fähig.
Durch ihn spricht der Heilige Geist, wenn er dieses Kind als Licht zur Erleuchtung der Heiden und als Herrlichkeit für das Volk Israel bekennt. Diese Weite seiner Worte hat vielen späteren Zuhörern des Herrn gefehlt. Sie hatten ihre eigenen Vorstellungen über den Messias als Befreier Israels von den Römern, aber nicht mehr.
Der Pfarrer von Ars hat sich ganz vom Heiligen Geist führen lassen, durch viele Prüfungen und Bedrängnisse hindurch. Seine Sehnsucht galt immer einem Leben in Einsamkeit. Seine Angst als Pfarrer vor dem Richterstuhl Gottes nicht bestehen zu können, überwältigte ihn immer wieder. Nach einer schweren Krankheit 1843 versuchte er zum ersten Mal aus Ars zu fliehen. Zunächst konnte er sich vielen Widerständen in der Pfarrei entziehen und schaffte es, in seinen Heimatort Dardilly zu gehen. Aber seine Anwesenheit wurde sehr schnell von vielen Leuten bemerkt, so dass seine Familie durch den großen Zustrom von Menschen überfordert war. Pfarrer Raymond folgte ihm und versuchte, mit einer List ihn zurückzuholen. Auf Anraten seines Bischofs Devie sollte er sich im alten Heiligtum der Muttergottes von Beaumont erholen. Dort sagte Vianney plötzlich nach einer Heiligen Messe und anschließender Danksagung seinem Begleiter Raymond : „Kehren wir nach Ars zurück!“
Die Freude in Ars war schier unbegrenzt.
Ein Leben lang hat der Pfarrer von Ars um den Heiligen Geist gebetet und trotzdem war es für ihn immer wieder schwer, für sich den Willen des Vaters zu erkennen, den er für andere so klar erkannte. Er hat gerungen und gewartet, bis ihm Licht geschenkt wurde. Auch die Fähigkeit zu warten, ist eine Gabe des Heiligen Geistes. In Unsicherheit zu warten, ist eine große Prüfung und Herausforderung. Wir möchten heute oft schnelle Antworten und versäumen darüber, in der Zeit des mühsamen Wartens den Heiligen Geist wirken zu lassen.
Simeon und der Pfarrer von Ars mögen uns die Gnade des Wartens im Heiligen Geist erflehen, damit wir wirklich nach dem Willen Gottes und nicht nach unserem eigenen Willen leben.
2.01.2025 ih

Aus: Mgr René Fourrey, Ce q‘ue prêchat le Curé d´Ars, 2009, S.33, übersetzt ih