8. Sonntag im Jahreskreis 02.03.2025 Lesejahr C

„Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; dann kannst du zusehen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“ Lk 6,42
„Wir sind ein Teil von Ihm selbst.“ °Pfr. von Ars

Harte Worte schleudert der Herr Seinen Jüngern und damit auch uns heute entgegen und brandmarkt damit einen unserer Hauptfehler. Im Paradies hat Adam sein Vergehen gegenüber Gott auf Eva geschoben und dann auf Gott selbst, der ihm diese Frau zur Seite gegeben hat. Unter dieser Schuld leiden wir bis heute und tragen schwer daran. Es ist so einfach, den Fehler des Nächsten zu sehen und so schwer zu erkennen, dass genau dieser Fehler auch in uns verwurzelt ist.
Die harten Worte des Herrn haben aber niemals das Ziel uns zu zerstören, sondern aufzubauen, aufzurichten.
Der Weg aus diesem Elend heraus führt nur durch das Herz, das entweder einen guten Schatz oder aber das Böse hervorbringen kann.
Der Pfarrer von Ars weiß, dass wir aus eigener Kraft unfähig sind, das Gute im Herzen zu tragen und hervorfließen zu lassen. Unsere Rettung ist allein der Herr, der durch seine Menschwerdung, Leid, Tod und Auferstehung uns zu einem Teil von Sich selbst gemacht hat. Unser Zufluchtsort ist seither der Herr selbst, der uns nicht verurteilt, sondern mit all unserer inneren Gebrechlichkeit immer wieder neu als seinen Teil annimmt, um uns zu heilen.
Wenn wir also merken, dass wir den Nächsten in Gedanken oder Worten kritisieren, flüchten wir doch in das Herz Jesu und lassen uns verwandeln, sodass unsere negative Wahrnehmung zu einem liebenden Gebet für den Nächsten wird! „Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund“ (Lk 6,45). So werden wie im Nächsten das Gute wahrnehmen und durch unser Gebet ihm helfen, dass immer mehr das Gute in seinem Herzen Raum findet. In unserem Herzen aber wird der Friede wachsen.
Gerade in diesem Heiligen Jahr sind wir eingeladen, Pilger der Hoffnung zu sein. Entscheidend dazu ist die Ausrichtung des eigenen Herzens immer wieder neu auf den Herrn, der unsere Hoffnung ist.
Vianney hat nicht nur selbst die Hoffnung im Herrn gelebt, sondern auch andere durch die Verwandlung seines eigenen Herzens dazu geführt, Träger der Hoffnung zu sein. Einer von ihnen ist einer seiner geliebten geistlichen Söhne, der selige P. Chevrier, geb. 1826 in Lyon, gest. 1879, am 6.10.1986 seliggesprochen durch Papst Johannes Paul II. Nach dem Vorbild des Heiligen Pfarrers hat er die Armut gelebt, armen Kindern Brot gegeben und auf den Empfang der hl. Eucharistie vorbereitet. Dazu hat er 1860 Prado in Lyon gekauft, was zur Providence von Prado wurde. Zur Durchführung dieses großen Werkes gründete er eine Priestergemeinschaft. Wenn wir mit P. Chevrier beten, wird der Herr auch unser Herz verwandeln:

O Wort! O Christus!
Wie bist du schön! Wie bist du groß! Wer wird dich kennenlernen? Wer wird dich verstehen können? Mache, o Christus, dass ich dich kenne und dass ich dich liebe. Da du das Licht bist, lass einen Strahl dieses göttlichen Lichtes über meine arme Seele kommen, damit ich dich sehen und dich verstehen kann. Lege in mich einen großen Glauben in dich, damit alle deine Worte für mich ebenso viele Lichter seien, die mich erleuchten und die mich zu dir gehen und dir folgen lassen, auf allen Wegen der Gerechtigkeit und der Wahrheit. O Christus, O Wort! Du bist mein Herr und du allein mein einziger Meister. Rede, ich will dir zuhören und dein Wort in die Tat umsetzen. Ich will dein göttliches Wort hören, weil ich weiß, dass es vom Himmel kommt. Ich will es hören, meditieren, in die Tat umsetzen, weil in deinem Wort das Leben ist, die Freude, der Friede und das Glück. Rede, Herr, du bist mein Herr und mein Meister und ich will nur dich hören.°²
28.01.2025 ih

° Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.58
°² Sanctuaire d´ Ars Les Annales, N° 400 Januar-März 2025, S.25, übersetzt ih