„Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes... Doch weh euch ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen.“ Lk 6,20;24
„Ach, meine Brüder, wenn die Christen so viel für den lieben Gott täten, wie sie für die Welt tun, wie viele kämen da in den Himmel!... Müsstet ihr mehrere Meilen laufen, um eine Predigt zu hören, so weit wie ihr euren Vergnügen nachlauft oder von eurer Geldgier getrieben werdet, ach, wie viele Vorwände, wie viele Ausflüchte werdet ihr finden, um nur nicht hingehen zu müssen. Aber für die Welt lässt man es sich was kosten. Und niemand fürchtet dabei, Gott oder seine Seele oder den Himmel zu verlieren…. Denn man liebt die Welt und nicht Gott.“° Pfr. von Ars
Wenn Jesus die Armen seligpreist, wird meist zuerst an die materiell Armen gedacht. Sie können vielleicht in ihrer Not offener für das Reich Gottes sein. Bei der Freiheit des menschlichen Willens muss dies jedoch durchaus nicht so sein. Es können auch Hass, Neid, Aggression auf dem Boden der Armut wachsen. Jesus hat diese Seligpreispreisungen nicht nur an seine Zwölf, sondern an eine große Schar seiner Jünger, die bei ihm waren, gerichtet. Unter ihnen waren nicht nur arme Leute, sondern auch reiche Frauen, die Jesus und seine Apostel mit ihren Gütern unterstützt haben (Lk8,2f).
Drei Seligpreisungen spricht Jesus für die Armen bei Lukas aus: für die,
die jetzt nach dem Reich Gottes hungern, die jetzt weinen, weil dieses Reich von so vielen nicht angenommen wird, und die von den Menschen gehasst und ausgestoßen werden um des Menschensohnes willen. Inhaltlich sind diese Seligpreisungen zusammenzusehen.
Armut oder Reichtum bezeichnet die Beziehung zu Jesus, seiner Verkündigung, seinem Reich.
Wenn dann das Wehe über die Reichen ausgerufen wird, bezieht sich das nicht in erster Linie auf den Besitz materieller Güter.
Jesus war befreundet mit Lazarus, Martha und Maria, die nicht zu den Armen gezählt haben, deren Glauben und Hingabe Er jedoch geschätzt hat. Entscheidend ist auch für die materiell Reichen die Hinwendung zum Herrn, der Einsatz für Sein Reich mit allen zur Verfügung stehenden Gütern und Gaben.
Der Pfarrer von Ars hat die materielle Armut unnachahmbar gelebt. Aber das war nicht alles. Er hat lästige Menschen mit der gleichen Liebe wie angenehme Personen behandelt, selbst um den Preis, dass er durch seine erzwungene Geduld krank wurde. Armut bedeutet also auch, alles anzunehmen, was der Herr uns zugedacht hat. Wie oft leiden wir nicht am Verhalten unserer Mitmenschen! Auch sie sind Boten des Herrn für uns, durch die wir in der Liebe zu Jesus wachsen können. So wird uns unsere Armut bewusst, dass wir absolut nicht lieben können, wenn der Herr nicht in uns liebt. Die Armut betrifft alle Bereiche unseres Lebens, auch unsere Freizeitgestaltung. Wieviel Zeit und Geld wir für Vergnügen ausgeben, ist auch ein Zeichen unseres Verhältnisses zu Gott. Der Pfarrer von Ars spricht dies ganz deutlich an. Er hat seine Mitmenschen genau beobachtet und darunter gelitten, dass weltliche Angelegenheiten oft einen größeren Stellenwert haben als das Leben mit Gott.
Hören wir sowohl die Seligpreisungen als auch das Wehe! Beides betrifft jeden von uns unabhängig vom materiellen Güterstand. Unser Blick und unser Sehnen muss bei allem, was wir sind und haben als erstes auf Jesus Christus und seine Botschaft ausgerichtet sein. Der Pfarrer von Ars wird uns helfen, neu unser Leben nach dem Herrn auszurichten.
15.01.2025 ih
° Aus: „der heilige Pfarrer von Ars predigte briefe leben“, Patmos Verlag, 1959, S. 25