6. Sonntag im Jahreskreis 15.02.2026 Lesejahr A

„Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“
Mt 5,20

„Seht unseren dornengekrönten Herrn: von überall tropft das Blut: Es ist ein schlechter Gedanke, dem ihr zustimmt.“ °Pfr. von Ars

 

Allzu schnell sind wir bereit, bei den Worten über die Schriftgelehrten und Pharisäer, die Nase zu rümpfen und uns über sie zu erheben. Wir glauben es schon zu wissen, dass die Erfüllung äußerer Gebote nicht reicht. Aber hätten die Pharisäer, die die Schrift sehr genau kannten, dies nicht auch wissen können?
Schon im Buch der Weisheit wird gelehrt: „Verkehrte Gedanken trennen von Gott; … In eine Seele, die Böses wirkt, kehrt die Weisheit nicht ein… Denn der heilige Geist, der Lehrmeister, flieht vor der Falschheit, er entfernt sich von unverständigen Gedanken und wird verscheucht, wenn Unrecht naht (Weish 1,3ff)“.
Sehr schnell aber kann man diesen anspruchsvollen Text überlesen. Sonst wäre er der Beginn eines lebenslangen Ringens und Suchens, um auch in der Tiefe des Herzens bei Gott zu sein. Genau dies möchte der Herr. Er will die Menschen zurückführen zu der Gemeinschaft mit Gott, die nur in einer großen Reinheit des Herzens und Heiligkeit möglich ist. Er scheut sich nicht vor drastischen Worten, nicht um Menschen zu verschrecken, sondern um sie aufzurütteln.
Vianney hat dies verstanden, wenn er sagt: „Um ein Heiliger zu sein, muss man ein Narr werden, den Verstand verloren haben... Um ein guter Priester zu sein, muss man stets als ein Seminarist leben. – Aber immer kann man nicht. – Ein großes Unglück für uns andere Pfarrer ist, dass die Seele so leicht erschlafft. Anfangs bekümmert uns der Zustand derer, die Gott nicht lieben; später sagt man: „Die da tun ihre Pflichten treu: die da bleiben fern von den hl. Sakramenten: das ist schlimm,“ und damit hat‘s sein Bewenden. Man tut darum nicht mehr und nicht weniger …!“ °²
Diese Worte gelten sinngemäß genauso für jeden Gläubigen. Wie viele gute Vorsätze mögen wir schon gefasst haben, um immer wieder festzustellen, dass wir weit zurückgefallen sind. Diese Erkenntnis ist aber bereits eine Gnade, weil sie der Stachel sein kann, erneut in unserer Armseligkeit zum Herrn zu eilen und Sein Erbarmen für einen Neuanfang zu erflehen.
Je mehr wir diesen Weg in der Gnade des Herrn gehen, umso mehr werden wir auch die feinsten Gedanken, die uns von Gott trennen, erkennen. Wenn wir einen Menschen sehen, der so gar nichts von Gott wissen will, kommt da nicht doch als erstes vielleicht ein abschätziger Gedanke, statt ihn sofort in die unbegrenzte Liebe des Herrn zu stellen, damit Er ihn führe? In uns lebt immer noch Adam, wie Vianney gesagt hat, Adam, der es besser wissen will als Gott. Besser sein wollen als andere, kann Antrieb sein auf dem Weg der Nachfolge, kann aber genauso der Weg zur Sünde sein, um sich über andere zu erheben. Und dann stürzen wir ab. Wenn wir dies erkennen, sind wir da nicht bereit, viele Entschuldigungen für unser Verhalten anzuführen? Aber auch dann verlieren wir die Spur Gottes. Zu all diesen Entschuldigungen sollen wir sofort Nein sagen und zum Impuls der Rückkehr zu Gott Ja.
Auf diesem Weg der ständigen Entscheidung für Gott wird der Pfarrer von Ars uns ein kräftiger Beistand sein.
17.01.2026 ih

° Aus: Bernard Nodet, Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, 1959, S.189
°² Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd., S.169f