„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ Mt 5,13
„Wenn man sich vergessen und sich selbst verlieren könnte, um ganz Gott zu gehören, wäre man glücklich! Aber Adam lebt noch immer.“ °
Nach der Verkündigung der Seligpreisungen richtet der Herr eindringliche Worte an Seine Jünger, also an diejenigen, die Ihm zuhören und folgen wollen. Sie sind das Salz der Erde, also nicht, dass sie es sein sollen, auch nicht, dass sie Salz auf die Erde streuen sollen. Ganz einfach: die Jünger sind Salz der Erde. Wenn sie das nicht sind, wenn sie den Geschmack des Salzes verloren haben, dann taugen sie zu nichts mehr, außer weggeworfen und zertreten zu werden. Eine erschreckende Alternative, die eine klare Entscheidung für den Herrn hervorrufen will.
In der weiteren Verkündigung lehrt Jesus das Gebet des Vaterunser. Das ist der Rettungsanker. Die Jünger sind nicht allein. Sie haben einen Vater, der ihnen täglich alles gibt, was sie brauchen, wenn sie darum bitten, einen Vater, der ihnen alle Verfehlungen vergibt, wenn sie selbst anderen ihre Schuld erlassen.
Wie sollten auch schwache Menschen eine solche Botschaft aus eigener Kraft leben können?
Salz dient nicht nur der Konservierung und Verbesserung des Geschmacks von Speisen, sondern ist im biblischen Verständnis lebensnotwendig.
Elischa lebte in einer Stadt, in der man gut wohnen konnte; nur das Wasser war ungesund und in der Gegend gab es viele Fehlgeburten. Elischa schüttete aus einer neuen Schüssel Salz in die Wasserquelle mit den Worten: „So spricht der HERR: Ich mache dieses Wasser gesund. Es wird keinen Tod und keine Fehlgeburt mehr verursachen.“ Und das Wasser wurde gesund (Kön 2,19ff).
Auch die Jünger Jesu sollen Gesundheit und Leben in diese kranke Welt bringen. Durch Tod und Auferstehung hat Jesus der Welt neu das Leben geschenkt. Seine Jünger dürfen Jesus, der das Leben ist, in sich tragen und weitergeben.
Der Pfarrer von Ars zeigt uns den Weg, wie dies möglich sein kann. Er will sich selbst vergessen und verlieren, um ganz in Gott zu sein. Das wäre die Erfüllung des Glücks für jeden Menschen. Aber Vianney kennt die Schwäche des Menschen, die seit dem Sündenfall Adams in uns ist. Das ist jedoch kein Grund zur Entmutigung. In der Nachfolge Jesu bietet er sich jeden Morgen Gott als Opfer an und weiht ihm den ganzen Tagesablauf und seine Arbeiten°².
Da die Menschen im Heiligen Pfarrer die Nähe Gottes erfuhren, konnten sie oftmals nach jahrzehntelanger Entfernung von Gott neu von der Gnade ergriffen werden und in großer Freude ein Leben im Herrn wieder beginnen - zum Heil für andere.
Auch wenn wir in unserem Leben solche Bekehrungen nicht sehen können, so dürfen wir vertrauen, dass jeder Gott geweihte Tag, jedes Gebet, jede Hingabe an den Herrn Frucht bringt, wo auch immer. Schauen wir mit dem Heiligen Pfarrer auf unseren Vater, der uns auch durch größte Schwierigkeiten auf Seinen Armen trägt und schnell unser Versagen verzeiht, wenn wir anderen nichts nachtragen, sondern ihnen weiterhin die Liebe Gottes bringen.
11.01.2026 ih
°Bernard Nodet, Le Curé d’Ars par ceux qui l’ont connu, 1994, S.171, übersetzt ih
°² Mgr René Fourrey, Ce que prêchat le Curé d‘ Ars, 2009, S.41
