„Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Joh 14,3
„Da, wo die Heiligen gehen, geht Gott mit ihnen.“° Pfr. v. Ars
Bei der ersten Begegnung Jesu fragten Andreas und ein weiterer Jünger „Meister, wo wohnst du?“ Auf die Einladung des Herrn hin: „Kommt und seht!“ blieben sie jenen Tag bei ihm (Joh 1,38f). Damit ist das Entscheidende jeder Begegnung mit dem Herrn schon von Anfang an ausgesagt. Es geht darum, bei Ihm zu bleiben - für immer.
Nun ist der Abschied Jesu von dieser Welt nahe. Der Herr weiß, dass Seine Jünger darunter leiden werden, aber Er schenkt ihnen Hoffnung. Es ist kein Abschied für immer, sondern nur eine Zeit der Vorbereitung, damit sie für immer in den himmlischen Wohnungen bei Ihm sein können, nicht nur an einem einzigen Tag.
Beim Herrn zu sein, bedeutet nicht in aller erster Linie, Seine Weisungen zu hören und zu befolgen, sondern Seine Liebe zu erfahren und in dieser Liebe Seinen Worten zu lauschen und zu leben.
Die Heiligen verlebendigen uns die Worte Jesu und machen sie uns erfahrbar. Dies war auch das Geheimnis des Heiligen Pfarrer von Ars, der die Menschen angezogen hat - äußerlich zu sich, aber im Wesentlichen zum Herrn, da er ununterbrochen selbst bei Jesus war. Die Liebe Gottes konnte so durch ihn zu den Menschen fließen, sodass auch sie Gott in Seiner Liebe erfahren konnten.
Nach einer schweren Lungenerkrankung im Mai 1843 rechneten alle bereits mit dem Tod Vianneys, der damals 56 Jahre alt war. Seine völlig unerwartete Heilung führte er auf die Hilfe der hl. Philomena zurück, an deren Altar die Priester eine Messnovene feierten. Aber nach seiner Genesung litt er immer noch an einer großen Schwäche. So entfloh er in der Nacht vom 11. zum 12. September 1843. In Ars war man sich sicher, dass er für immer in eine Kartause eintreten würde. Vianney rang unter Tränen und Gebet um den Willen Gottes, bis ihm deutlich wurde, dass sein Platz in Ars ist. Bei der Rückkehr am 18. September um fünf Uhr wurde er mit Glockenklang empfangen.
„So war also alles verloren?“, rief er aus, „nun gut, alles ist wiedergefunden! Ich werde euch nicht mehr verlassen, meine Kinder … Ich werde euch nicht mehr verlassen!“ Er konnte kein weiteres Wort hervorbringen, so schnürte ihm die Ergriffenheit die Kehle zu. Aber seine zum Himmel erhobenen Augen, seine zitternden Arme kündeten zur Genüge seine Beglückung. Auf Raymond gestützt, umschritt er mehrmals den Platz und segnete seine Pfarrkinder. Sie alle konnten nichts anderes tun als weinen, einige Worte stammen und sich ihm zu Füßen werfen.“°²
Die Gemeinde hat durch ihren Heiligen Pfarrer so die Liebe Gottes erfahren wie wohl noch nie in ihrem Leben. Aber auch Vianney hat Gottes Liebe durch seine Pfarrgemeinde erfahren, wie wohl auch noch niemals in seinem Leben. Der Himmel war über Ars offen. Da, wo die Heiligen gehen, geht Gott mit ihnen.
Stellen wir uns unter den Segen des Heiligen Pfarrers, den er damals seinen Pfarrkindern erteilt hat, damit auch wir die Liebe Gottes erfahren und die Kälte unserer Zeit erwärmt wird.
31.03.2026 ih
Aus: Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd. S.355
°² Franis Trochu, Der Pfarrer von Ars, 2001, S.325
