4. Fastensonntag 30.03.2025 Lesejahr C

„In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.“ Lk 15,1f

„Dem Sünder muss man Mitleid und nicht Bitterkeit entgegenbringen.“ °Pfr. von Ars

Jesus wird nicht müde, die Menschen durch Gleichnisse zur Umkehr zu bewegen. Sie hören Ihm gerne zu, ja sie kommen alle zu Ihm, Zöllner und Sünder. Aber genau das missfällt den Pharisäern und Schriftgelehrten. In Jesus spricht der Vater, von dem Er sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30).
Jesus will nicht nur den Sündern Mut zur Umkehr machen, sondern auch uns lehren, sündigen Menschen zur Umkehr zu helfen.
Der Vater wartet auf beide Söhne, auf den jüngeren Sohn, der lange Zeit weg war und sein Vermögen verschleudert hat. Das sind im Evangelium die Zöllner und Sünder und heute die Vielen, die ihre Taufgnade durch ihr Leben verleugnen. Aber Er wartet genauso auch auf den älteren Sohn, der immer bei ihm war, viel gearbeitet hat, um das Vermögen zu bewahren und zu mehren. Das sind die Pharisäer und Schriftgelehrten und heute oftmals gerade engagierte Christen, die Andere kritisieren und richten, weil sie den Glauben nicht leben. Jesus will in Seinem Gleichnis nicht nur den Sündern Mut zur Umkehr machen, sondern auch den sogenannten Guten zeigen, dass auch sie der Umkehr bedürfen.
In beiden Brüdern können wir uns selbst erkennen, wenn wir tief in uns hineinschauen. Wir können aber auch genauso die Not der Anderen sehen und ihnen helfen, den Weg der Umkehr zu wagen.
Im Vater fallen Gerechtigkeit und Liebe zusammen. Empörung über die Sünder entspricht nicht der Liebe Gottes. Im Gegenteil, dies ist auch eine Sünde. Dazu zählt auch das Gerede über die Fehler der anderen.
Der Pfarrer von Ars hat uns gezeigt, wie wir mit Sündern umgehen sollen: voll Milde und Barmherzigkeit, aber auch mit tiefen Schmerz über die Trennung des Menschen von Gott im Bangen um das ewige Heil. Es ist eine Teilnahme am Schmerz Jesu am Kreuz, der alles hingegeben hat, um uns durch Sein durchbohrtes Herz den Weg zur Liebe des Vaters wieder zu öffnen.
„Es ist unmöglich zu begreifen,“ sagt Catharina in ihrer Note, „wie sehr dem Herrn Pfarrer das Heil der Seelen am Herzen lag. Man kann sagen, er seufze fortwährend über ihren Verlust. Wir haben ihn so oft mit zerrissenen Herzen sagen hören: „Wie schade, dass diese Seelen verloren gehen, die dem lieben Gott doch so viele Leiden gekostet haben“ – Mir sagte einst jemand, es sei so rührend gewesen den Pfarrer von Ars über das Verderben der Seelen weinen zu sehen. Er hatte die Augen gen Himmel gewandt gehalten und geseufzt: „Mein Gott! Ist denn möglich, dass du so viele Qualen für die Rettung der Seelen erduldet, und dass diese dennoch eine Beute des Satans werden!“ – Man wird nie erraten, zu was für außergewöhnlichen Bußübungen und Abtötung er sich selbst verurteilte, nur für arme Sünder.“ °²
Wir können die Bußübungen des Pfarrers von Ars nicht nachahmen, weil sie unnachahmbar sind. Er hatte eine außergewöhnliche Gnade in einer Zeit, in der der Glaube vollständig zerstört werden sollte. Aber doch sind auch wir eingeladen an diesem Leiden um die Seelen teilzunehmen und durch Gebet und für uns angemessene Verzichte an der Rettung der Seelen mitzuwirken, damit wir alle gemeinsam dem ewigen Osterfest entgegen gehen können. Auf diesem Weg begleitet uns der Pfarrer von Ars ganz gewiss.
24.02.2025 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 165
°²Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 2. Bd.1863, S.417