4. Fastensonntag 15.03.2026 Lesejahr A

„Glaubst du an den Menschensohn? Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es. Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.“ Joh 9,35-38
„Lassen wir die Kinder der Welt reden. Leider sind sie nur allzu blind. Es gibt heute genauso Ungläubige, wie es Ungläubige zurzeit unseres Herrn gegeben hat. Jesus heilte in Judäa die Kranken, trieb die Teufel aus, weckte Tote zum Leben, und doch glaubten viele nicht an ihn. Er würde heute die gleichen Wunder unter uns wirken, da es auch heute noch Ungläubige gibt.“ ° Pfr. von Ars

 

Das heutige Evangelium ist nicht nur sehr lang, sondern erscheint auch sehr langatmig. Das kann leider beim Zuhören zum Abschalten führen. Aber hören wir trotzdem genau hin! Dreimal wird ausführlich erzählt, wie die Öffnung der Augen des Blindgeborenen geschehen ist. Schon da werden wir aufmerksam. Die Zahl Drei weist immer hin auf den dritten Tag, an dem der Herr von den Toten auferstanden ist. Wenn der Herr aus der Erde mit Seinem Speichel einen Teig bereitet, den Er auf die Augen des Blinden streicht, so lässt uns das an die Erschaffung des Menschen denken, der aus der Erde von Gott gemacht worden ist und von Ihm den Lebensatem erhalten hat (Gen 2,7). Blind ist nicht nur dieser eine blind geborene Mann, sondern blind ist auch das Volk geworden. Es geht also um eine Neuschöpfung des Menschen, damit er wieder Gott sehen und Ihm dienen kann - zu seinem eigenen Heil.
Aber wie schwerfällig sind die Menschen - damals wie heute, wie der Vianney feststellt! Tröstlich ist die große Geduld Gottes, die wir für den Blindgeborenen sehen. Dieser weiß nicht von Anfang an, wer ihn geheilt hat. Erst weiß er nur, dass der Mann, der ihn geheilt hat, Jesus heißt. Dann bezeichnet er ihn vor den Pharisäern als Prophet. Diese hingegen nennen Jesus einen Sünder. Unbeirrbar ist der Geheilte. Er weiß nicht, ob Er ein Sünder ist, aber er weiß, dass er von diesem sehend gemacht wurde. Er lässt sich von der erfahrenen Realität also keinesfalls abbringen. Erst auf die Frage Jesu hin, ob er an den Menschensohn glaubt, kann er sich anbetend vor dem Herrn niederwerfen. Der Geheilte muss auch drei Schritte gehen, um auch von seiner inneren Blindheit geheilt zu werden. So wird er in die Auferstehung des Herrn mit hineingenommen.
Der Pfarrer von Ars hatte zwar niemals Glaubenszweifel über Jesus Christus als Gottes Sohn, wurde aber doch in seinem Glauben schwer geprüft. Nach der Marienerscheinung in La Salette am 19. September 1846 für die Seherkinder Maximin und Melanie war Vianney zunächst voller Freude, da der Aufruf zu Gebet, Buße und Einhaltung des Sonntagsgebotes seiner eigenen Verkündigung ganz entsprach. Erschüttert wurde er durch die Begegnung mit Maximin in Ars im Herbst 1850. Es wurde viel gerätselt, warum Maxim dabei offensichtlich bestätigt hat, nichts gesehen zu haben. Trotz aller Recherchen wird dieses Geheimnis wahrscheinlich nie ganz gelüftet werden. Aber der Heilige Pfarrer wurde in tiefste Seelennot gestürzt. Er würde so gerne glauben, besonders auch nach dem positiven Zeugnis des zuständigen Bischofs Dupanlou, kann aber das Wort Maximins nicht vergessen. Aber auch dieser Bischof hatte zunächst von Maximin einen äußerst negativen Eindruck, der ihn jedoch nicht hinderte, an jene Erscheinung zu glauben. Acht Jahre lang dauerte diese äußerst qualvolle innere Prüfung für den Heiligen Pfarrer, bis er nach innigem Gebet um Erleuchtung schließlich einfach sagen konnte: Credo! Sofort war er völlig befreit von dieser Last.°²
Der Pfarrer von Ars hat anders reagiert als die Juden damals bei der Heilung des Blindgeborenen, die ihr fertiges Urteil über Jesus hatten. Sie sahen die Heilung, sahen aber dahinter nicht Gottes Wirken. Sie blieben in ihrer Blindheit.
Begegnen uns doch ähnliche Einwände nicht auch heute? So kann Gott es doch nicht gemeint haben, wie die Kirche bisher verkündet hat. So müssten doch die Gebote Gottes den heutigen Erkenntnissen angepasst werden, was die völlige Bedeutungsänderung verharmlost.
Gehen wir in solchen Versuchungen mit dem Pfarrer von Ars! Haben wir Geduld mit Gott, der uns auch schmerzliche innere Prüfungen zumutet. Er wird uns durchführen und neu das Licht der Auferstehung leuchten lassen. Vertrauen wir immer mit dem Pfarrer von Ars auf die Nähe Gottes gerade auch im Dunkel des Zweifels!
3.02.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S. 81
°² Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney 2. Bd, 1863, S.175ff