3. Sonntag im Jahreskreis 25.01.2026 Lesejahr A

 „Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.“ Mt 4,16

„Als ich jung war, habe ich das Böse nicht gekannt; ich lernte es erst im Beichtstuhle erkennen.“ °Pfr. von Ars

 

Die Auslieferung des Johannes ist für den Herrn das Zeichen, sich nach Galiläa zurückzuziehen in heidnisches Land, weit weg von Jerusalem. Er wusste, dass Johannes Ihm den Weg voranging in Verurteilung und Tod. Aber für Ihn war die Stunde noch nicht gekommen (Joh 7,30; 8,20). Genau dieser Rückzug brachte Licht in die Dunkelheit des heidnischen Volkes. Jesus selbst ist das Licht in der Dunkelheit.
Dort begann Er Sein öffentliches Auftreten mit der Verkündigung vom Reich, dort heilte er alle Krankheiten und Leiden, dort rief Er zu Umkehr und Nachfolge auf. Dort berief Er die ersten Jünger. Durch den notwendigen Rückzug Jesu wird das Gebiet, das Seine Botschaft hört, erweitert, gleichsam als prophetisches Zeichen, dass Seine Worte später die ganze Welt erreichen sollen.
Jesus lehrt nicht nur durch Seine Worte, sondern noch viel mehr durch Sein Leben. Im Hören auf den Willen des Vaters gilt Seine Botschaft der ganzen Welt. Er erfährt Ablehnung, weint über Jerusalem, das nicht erkannt hat, was Frieden bringt und so der Heimsuchung mit Zerstörung des Tempels und der Stadt entgegengeht (LK 19,41ff). Der Herr geht in Liebe Seinen Weg weiter.
Die ersten Gläubigen haben ebenso gelebt. Nach der Steinigung des Stephanus brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Sie wurden zerstreut in die Gegenden von Judäa und Samarien und verkünden dort das Wort (Apg 81ff). Alle Versuche, die Botschaft Christi auszulöschen und Seine Kirche zu vernichten, führten zu ihrer Ausbreitung.
In einer ähnlichen Situation hat Jean-Marie Vianney während seiner Kindheit gelebt. Ein Ziel der Französischen Revolution 1789 war die Vernichtung der Kirche in Frankreich. Christliches Leben konnte sich nur noch im Untergrund vollziehen. In den nach den Vorgaben des Staates noch geöffneten Kirchen mit äußerst geringem Besuch wurde nicht mehr die christliche Botschaft verkündet, sondern die neue Lehre des Staates. Dunkel war es in diesem Land geworden.
Ganz unbemerkt von der Öffentlichkeit wächst der kleine Jean-Marie auf, behütet von seinen Eltern und wohl unterrichtet im katholischen Glauben, besonders durch seine Mutter, abseits der großen Städte, in denen unter der Guillotine die Köpfe rollen.
Auch wenn Machthaber immer wieder versucht haben, den Glauben zu vernichten, so hat der Herr Licht in jedes Dunkel gebracht, auf Seine Weise, auf Seinem Weg.
„Es ist ärgerlich, dass der Pfarrer von Ars dazu da ist, um das 19. Jahrhundert zu beunruhigen,“ °² äußerte ein Mann aus Villefranche.
Niemals würde ein menschlicher Machthaber mit einem kaum ausgebildeten Mann versuchen, seine Ideen durchzusetzen. Aber Gott hat andere Wege, andere Maßstäbe, als Menschen sich vorstellen.
Ist das nicht eine große Hoffnung für unsere Zeit, in der wir so viel Dunkel und Zerfall erleben müssen? Gott hat nicht mit Massen angefangen, die sich heute bei so vielen Gelegenheiten versammeln. Gott hat einen einzelnen Menschen berufen, der Ja zu Ihm gesagt hat und so konnte Er der Kirche in Frankreich und in Europa neuen Glanz schenken.
Denken wir nicht an andere, die der Herr berufen kann. Der Herr beruft jeden, auch mich, wenn ich mir noch so gering vorkomme und es in der Tat ja auch bin. Sagen wir mit dem Heiligen Pfarrer jeden Tag neu Ja zum Willen des Herrn mit der Bitte, uns deutlich Seinen Plan für uns erkennen zu lassen.
21.12.2025 ih

° Aus: Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, Bd. 1, S.33
°² Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.179