3. Fastensonntag 8.03.2026 Lesejahr A

„Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, Dann hättest du ihn gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Joh 4,10

„Er, der nicht die Kraft zu sprechen hatte, schien eine Donnerstimme zu haben, wenn er zu ihnen von Gott sprach.“ °Cath. Lassagne

 

Jesus hat den Argwohn der Pharisäer bemerkt, die gehörten hatten, er gewinne und taufe mehr Jünger als Johannes und zog sich wieder nach Galiläa zurück (Joh 4,2f). Seine Botschaft löste von Anfang an Freude oder Ablehnung aus. Bei einer Pause an einem Brunnen in Samarien um die sechste Stunde d. h. mittags um zwölf Uhr in der größten Hitze war Er nur noch müde, hungrig und wohl auch durch die erfahrenen Feindseligkeiten enttäuscht. Und doch nimmt Er die geistliche Not der Samariterin wahr und überwindet alle Schranken, um sie in das Licht der Wahrheit zu führen. Dabei passt Er sich einfühlsam in die Möglichkeiten ihres Verständnisses an. Von Seiner Müdigkeit und Seinem Hunger spürt Er nichts mehr, was die Jünger nach ihrer Rückkehr aus dem Dorf sehr verwundert. Jesus lebt in der Gemeinschaft des Vaters, die Ihm Kraft verleiht. In diese Einheit mit dem Vater möchte Er auch die Sünderin mit hineinnehmen. Er ist gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu retten (Lk 19,10).
Finsternis wird das ganze Land beim Sterben des Herrn von der sechsten bis zur neunten Stunde bedecken (Mt 27,45). Nach Seinem Tod fließt aus Seinem geöffneten Herzen das Wasser des Lebens auf die ganze Welt. Dieser Gnadenfluss erreicht im Vorhinein das Herz der Samariterin.
Der Tod Jesu ist die Vollendung Seiner Anbetung des Vaters. So lehrt Er uns die Anbetung des Vaters im Geist und in der Wahrheit. Er lebt im Willen des Vaters und so fließt Ihm auch in tiefster Bedrängnis, im Dunkel des Todes das Wasser des Lebens zu, das Ihm Kraft bis zum Ende gibt.
Auf diesen Weg nimmt der Herr Seine Jünger und heute uns mit. Er lehrt nicht zuerst Gebote zu halten, sondern so wie Er selbst im Vater zu leben. Scheitern wir nicht oft daran, unsere Pläne in der Nachfolge des Herrn in unserer Schwachheit nicht verwirklichen zu können? Droht uns dann nicht die Versuchung zur Mutlosigkeit?
Der Heilige Pfarrer hat anfangs auf seine eigenen asketischen Bemühungen und Anstrengungen vertraut. Bei zunehmenden Pilgerstrom reichten eigene Kräfte jedoch in keiner Weise mehr aus. So nahm er immer mehr seine Zuflucht zum Herrn, der in ihm vollbracht hat, was er in seiner Schwachheit nicht konnte. Catherine Lassagne hat dies konzentriert zusammengefasst, wenn sie sagt, dass er keine Kraft mehr zu sprechen hatte und doch eine Donnerstimme zu haben schien, wenn er zu den Menschen sprach.
„Die Nacht war für Vianney die Zeit der herbsten Kämpfe mit den Leiden des Geistes und den Schwächen des Körpers. Mehr als einmal hatte er es gestanden, dass er auch nicht eine Stunde lang ohne Unterbrechung ruhig und erquickend schlafe… Wenn er etwas zu schlummern begann, war die Stunde gekommen, wo der siebzigjährige Greis erfrischt und gekräftigt nur durch einen neuen Aufflug der Liebe, sich der Ruhe entriss, bevor er sie noch genossen und munter mit Freuden sein hartes und langes Tagewerk wieder aufs Neue begann.“ °²
Gehen wir auf die Fürsprache des Heiligen Pfarrers mit dem Herrn diesen Weg! Suchen wir zuerst die Nähe Gottes und erwarten von Ihm alles, was wir in unserer Schwachheit nicht können! Stellen wir uns und alle unsere Anliegen einfach in die Gegenwart Gottes und überlassen Ihm alles. Der Herr enttäuscht nie!
28.01.2026 ih

Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.159
Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars,Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd., S.416f