3. Fastensonntag 23.03.2025 Lesejahr C

„Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt.“ Lk 13,2f

„Derjenige übt ein großes und Gott sehr angenehmes Fasten, der seine Eigenliebe bekämpft, seinen Stolz, seinen Widerwillen, das zu tun, was er ungern tut, der mit Menschen zusammen ist, die seinem Charakter, seiner Handlungsweise entgegengesetzt sind und sie doch geduldig erträgt.“
°Pfr. von Ars

Dritter Fastensonntag, also schon mitten in der Fastenzeit! Haben wir denn überhaupt schon begonnen mit Buße und Umkehr? Das ist uns alles eher unangenehm. Dieses Gefühl, ich muss etwas tun, was mir zuwider ist, was meine Kräfte übersteigt, verursacht Unbehagen. Aber ist dieser Ansatz, an die Fastenzeit heranzugehen überhaupt hilfreich?
„Ich bin, der ich bin“ (Ex 3,14). Mit Seinem eigenen Namen tritt Gott in die Umkehrgeschichte des Volkes Israel ein, das Er aus dem Sklavenhaus Ägypten durch die Hand von Mose befreien will. Die Initiative geht also von Gott aus, weil der Mensch alleine sich niemals aus dem Sklavenhaus, aus Sünden und Abhängigkeiten befreien kann. Im Paradies hat der Mensch sich durch seine Verweigerung gegenüber der Weisung Gottes ins Abseits gestellt. Gott, der den Menschen unendlich liebt, wirbt jedoch weiter um den Menschen, um ihn in das eigene Sein zurückzuholen, in Sein „Ich bin, der ich bin“. Und Gott ist selbst die Hilfe auf diesem Weg: „Ich bin mit dir“, sichert Er Mose zu (Ex 3,12). Gott kennt also unsere Schwäche und weiß, dass wir ohne Ihn nichts können.
Mose sollte die Israeliten in das Gelobte Land, in dem Milch und Honig fließen, führen (Ex 3,8), also in ein neues Paradies. Aber der Weg dorthin war viel schwieriger als erwartet. Das Volk murrte immer wieder und musste vierzig Jahre lang durch die Wüste ziehen.
Aber auch nach der Ankunft im verheißenen Land fiel das Volk wiederholt vom Gehorsam gegenüber Gottes Weisung ab und musste siebzig Jahre lang in die babylonische Gefangenschaft. Aber Gott gibt nicht auf. Auch auf dem weiteren Weg hat Er dem störrischen Volk immer wieder Hilfe geschenkt.
Zuletzt sendet Er als Retter Seinen eingeborenen Sohn. Aber auch Er wird abgelehnt und am Kreuz getötet - für uns. In Seinem Tod steigt Er in all unser Elend, unseren Ungehorsam, unsere Abweisung der Liebe Gottes, um uns vom Weg des ewigen Verderbens zurückzuholen. In Seiner Auferstehung strahlt Sein Licht in die Dunkelheit unseres Versagens.
Umkehr ist also anders, als wir es uns vorstellen. Es ist nicht zuerst Aufforderung, unser Leben durch strenge Askese auf Gott auszurichten. Es ist das Angebot Gottes, uns zu begleiten auf unserem Weg zur ewigen Herrlichkeit.
Der Pfarrer von Ars hat die Umkehr gelebt mit Fasten, Geißelung, Entbehrung. So er hat er aber auch das Wesentliche der Umkehr erkannt, den Weg der Liebe, die wir vertrauensvoll von Gott erbitten dürfen. Es geht eben nicht in erster Linie um asketische Übungen, sondern um ein Leben in Seiner Liebe. Vianney zeigt uns die vielen kleinen Gelegenheiten auf, täglich die Umkehr zu leben, alle Widrigkeiten in Gottes Liebe anzunehmen, unangenehme Menschen zu ertragen, was für uns sehr schwer ist. Er lehrt auch, dass eine Stunde Geduld mehr zählt als viele Tage Fasten.°² Auf diese Weise bewahrt er uns vor Verbissenheit im Fastenprogramm, Stolz gegenüber anderen, die nicht fasten. In der Liebe fehlen wir immer wieder. Die Erkenntnis darüber führt zur Demut und die Demut führt in das Herz Gottes. Das Ziel ist, immer mehr in die Liebe Gottes einzutauchen, die durch uns zu den Menschen fließen soll.
Der Heilige Pfarrer wird uns auf diesem Weg der Umkehr helfen.
18.02.2025 ih
° Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.232
°² ebenda S. 259