2. Sonntag im Jahreskreis 18.01.2026 Lesejahr A

 „Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.“ Joh 1,33f
„Mein Gott, schenke uns den Glauben, und wir werden dich lieben aus ganzem Herzen.“ °Pfr. von Ars

 

Wir sind am Beginn des Jahreskreises angekommen. Das Weihnachtsfest mit der unerhört großen Botschaft der Geburt Gottes als kleines Kind in der Krippe liegt hinter uns. Aber glauben wir das wirklich? Glauben wir so, dass andere Menschen durch unser Leben zum Glauben an Jesus Christus als Gottes Sohn kommen können?
Johannes der Täufer ist der erste, der bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes. Das heutige Evangelium zeigt uns ganz deutlich, dass der Weg zu diesem Bekenntnis nicht einfach war. Zweimal bezeugt Johannes: Auch ich kannte ihn nicht. Welche Not spricht aus diesem Zeugnis! Johannes verbrachte lange Jahre in der Einsamkeit der Wüste in strenger Askese, um den Ruf Gottes hören zu können und seinen Auftrag für die Welt zu verstehen.
Und trotz dieses kraftvollen Zeugnisses für Jesus als Gottes Sohn wurde er im Gefängnis von Zweifeln geplagt, sodass er seine Jünger zu Christus schickte mit der Frage: Bist du der, der kommen soll oder sollen wir auf einen anderen warten (Mt 11,3)? Und der Herr verweist in seiner Antwort auf die prophetischen Aussagen Jesajas über den kommenden Messias.
Glauben ist also alles andere als selbstverständlich, auch dann nicht, wenn er uns einmal geschenkt wurde. Glauben ist niemals ein Besitz, sondern ein Weg mit dem Herrn, aber auch mit unseren Glaubensgeschwistern ein ganzes Leben lang.
Der Pfarrer von Ars wusste um die Bedeutung eines lebendigen Glaubens. Er selbst hatte wohl keine Glaubenszweifel, zumindest wird uns darüber nichts berichtet. Dies hat ihn aber durchaus nicht entlastet, da er wusste, dass nur ein unbegrenzt feuriger Glauben auch andere Menschen entflammen kann. So stand die Bitte um Glauben fast an erster Stelle, damit Gottes Liebe erfahrbar werden kann.
So konnte er viele tiefe Bekehrungen erreichen, auch nach seinem Tod.
Joseph Vianey berichtet über einen alten Grafen, der nicht gerade ungläubig war und auch sonntags die Messe besuchte, aber sich gegenüber Umkehr in der Beichte total verweigerte. Auf Bitten seiner Frau, die zunächst nichts erreicht hatte, war er schließlich zu einer Wallfahrt an das Grab des Pfarrers von Ars bereit. Als er in das armselige Zimmer des Heiligen Pfarrers kam, wurde ihm plötzlich bewusst, welche Mühe erforderlich ist, um in den Himmel zu kommen und er brach in Tränen aus. Ein anwesender Missionar erkannte die Gnadenstunde. Nun war der Graf zur Beichte bereit und zeigte öffentlich eine kindliche Freude darüber.
Einige Monate später hatte einen Schlaganfall und verlor sofort das Bewusstsein. Mehrere Priester konnten sich nicht verständlich machen. Schließlich rief man den Missionar, bei dem er in Ars gebeichtet hatte. Als dieser kam, erwachte der sterbende Graf beim Klang seiner Stimme, beichtete in völliger Klarheit und schlief danach für immer ein. Der Pfarrer von Ars wollte ihm bei seiner letzten Stunde durch den Dienst seines Nachfolgers beistehen.°²
Danken wir dem Heiligen Pfarrer für sein Gebet, das auch heute uns zu Umkehr, besonders auch im Sakrament der Versöhnung, stärkt. Vertrauen wir, dass er für uns eintritt, damit wir Werkzeuge der Gnade für unsere Mitmenschen werden.
15.12.2025 ih

Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.82
°² Joseph Vianey, Le Bienheureux Curé d’Ars, 1923. S.132f