2. Fastensonntag 16.03.2025 Lesejahr C

„Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.“ Lk 9,33

„Seien wir auch geduldig mit uns selbst.“° Pfr. von Ars

Wie schwer ist es doch, die Gottheit Jesu Christi zu erkennen und auszuhalten! Petrus hatte kurz vorher entgegen den vielfältigen Meinungen anderer Leute bekannt, dass er Jesus für den Christus Gottes hält (Lk 9,20). Und auch da wurde er bereits von Jesus belehrt, dass der Menschensohn vieles erleiden und getötet werden muss, aber am dritten Tag auferweckt wird. Hören ist das eine, aber ahnen, was das bedeutet ist, das andere.
In Seiner Verklärung will Jesus sie immer tiefer in die Erkenntnis Seines Wesens und Auftrages mit hineinnehmen. Aber das überfordert Petrus, Jakobus und Johannes völlig. Sie sind einfach eingeschlafen. Und doch müssen sie irgendwie im Schlaf gehört haben, dass Mose und Elija vom Ende des Herrn sprachen, das er in Jerusalem erfüllen sollte. Was für eine absurde Idee, Hütten bauen zu wollen für die in einer Vision erschienenen Mose und Elia! Petrus wusste wirklich nicht, was er sagte.
Auch am Ölberg sind diese drei Jünger eingeschlafen, obwohl der Herr sie zum Gebet aufgefordert hatte. „Wie könnt ihr schlafen?“ (Lk 22, 46). Die Enttäuschung des Herrn über seine Verlassenheit durch die Jünger ist nicht zu überhören. Diese noch nie da gewesenen Situationen überfordern sie völlig. Geistliche Schwerfälligkeit bestimmt noch ihre Reaktionen. Gebet ist der Weg aus dieser geistlichen Trägheit heraus, wie der Herr sie lehrt (Lk 22, 46). Aber es ist ein langer Weg. Petrus wird Jesus trotz seines Bekenntnisses und der Erfahrung der Verklärung dreimal verleugnen. Die Enttäuschung und der Schmerz über das eigene Versagen bohrt in Petrus tief, wie wir aus seinen Reaktionen auf die dreimalige Frage des Herrn: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich“ erahnen können (Joh 21, 15ff). Er musste erst selber in die eigenen Abgründe hineinsteigen, um zu dieser aufrichtigen Liebe zum Herrn zu finden, auch in dem Wissen, dass seine menschliche Liebe äußerst begrenzt ist. Aber dies genügt dem Herrn.
So kann Petrus zum mächtigen Verkünder Jesu Christi werden“…: Wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Denn er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen, als eine Stimme von erhabener Herrlichkeit an ihn erging: das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren“ ( 2 Petr 1,17ff).
Mit welcher Geduld hat der Herr Petrus und seine Begleiter geführt, damit sie Ihn als Gottes Sohn erkennen können, der durch Tod und Auferstehung die Menschen zum ewigen Heil führen will und einst wiederkommen wird in Herrlichkeit! Jesus kennt die Schwachheit des Menschen, nicht nur die von Petrus und der Apostel, auch unsere, und begleitet auch uns mit der gleichen Geduld wie damals Seine Jünger.
Durch den Sündenfall sind die Menschen so sehr von Gott getrennt, dass der Weg zurück lang und beschwerdevoll ist, auch wenn der Herr uns überreiche Gnade schenkt und wir in Hingabe Ihm entsprechen wollen. Wie oft sind auch wir über uns enttäuscht, wenn wir wieder einmal das Misslingen unserer Bemühungen sehen. So gilt die Einladung des Herrn zu Geduld zuerst uns selbst. Wir alle sind ungeduldig, weiß der Pfarrer von Ars. Erst wenn wir mit uns selber Geduld haben, jeden Tag neu, werden wir fähig sein, auch den Nächsten in der Geduld des Herrn zu begegnen und ihm so auf seinem Weg zu begleiten.
Vianney hatte eine heftige Natur, die er durch jahrelanges Gebet und Askese in Geduld verwandeln konnte, so dass Menschen ihn gerade in seiner Geduld als Heiligen erkennen konnten.
Der Pfarrer von Ars wird mit seinem ständigen Gebet bei uns sein.
11.02.2025 ih
° Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.260