2. Fastensonntag 1.03.2026 Lesejahr A

„In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ Mt 17,1f

„Herr Balley hat eine Sache verteidigt, worüber er sich vor Gott kaum wird rechtfertigen können, und diese Sache ist, dass er für mich Kaution gestellt und die Verantwortlichkeit für einen so armen Unwissenden, wie mich, übernommen hat.“ °
Pfr. von Ars

 

Vor dem heutigen Evangelium hat Jesus den Jüngern die erste Ankündigung von Seinem Leiden und Seiner Auferstehung erklärt, was Petrus nicht ertragen konnte. So nahm er den Herrn beiseite, um Ihn mit heftigen Worten zurechtzuweisen (Mt 16,22). Der Jünger weist Seinen Meister zurecht! Unfassbar! Der Herr reagiert scharf: tritt hinter mich, du Satan (Mt16,23)!
Nun aber nimmt der Herr Petrus, Johannes und Andreas beiseite, nicht um ihnen Vorwürfe zu machen, sondern um in aller Geduld ihnen zu zeigen, dass nur durch Sein Leid das Licht der Auferstehung in diese Welt gelangen kann. Der Herr sieht über die Versuchung, der Er durch die Worte des Petrus ausgesetzt war, hinweg und nimmt sich der geistlichen Blindheit Seiner Jünger an. Jesus verwirft Petrus nicht, dem Er vorher bereits die Schlüssel des Himmelreiches gegeben hatte (Mt 16,19). Er nimmt die Erwählung des Petrus nicht zurück, sondern führt ihn Schritt für Schritt weiter. Welch ein geduldiger Lehrer ist der Herr!
Petrus hat immer mehr den Plan seines Herrn und Meisters erfasst. In seinen Briefen spielt Geduld eine zentrale Rolle: „Und die Geduld unseres Herrn betrachtet als eure Rettung (2 Petr 3,15)“.
Dies schenkt jedem von uns Hoffnung. Denn der Herr hat auch mit uns dieselbe Geduld in all unserer geistlichen Schwerfälligkeit und Trägheit.
Auch Vianney wäre niemals Priester geworden, wenn er nicht einen so geduldigen hervorragenden geistlichen Begleiter in Pfarrer Balley gehabt hätte. In allen Krisen auf dem schweren Weg zur Priesterweihe hat Balley ihn unterstützt und zuletzt durch seine Vermittlung auch erreicht, dass durch eine nochmalige Prüfung in Französisch statt in Latein die notwendigen Voraussetzungen erfüllt waren. Vianney kann im Bewusstsein seiner eigenen Unwürdigkeit diesen Einsatz kaum verstehen. Die Kirche kann nur dankbar sein, dass Vianney einen so guten Mentor hatte.
Schauen wir in der Fastenzeit auf uns selbst. Gibt es in unserer Umgebung Menschen, mit denen wir vielleicht große Schwierigkeiten haben, die aber unbewusst darauf warten, dass wir in Geduld ihren Weg begleiten? Auch von unserer Geduld hängt es ab, ob unser Mitmensch seinen Weg zum Herrn weitergehen kann – auch zum Segen für viele.
Unser Heilige Pfarrer, der so viel Geduld erfahren hat, hat mit einer großen Geduld alle Sünder empfangen, alle Angriffe überstanden, auch wenn es ihn viel gekostet hat, und so viele Menschen auf den Weg des Heils geführt. Er möge uns helfen, unsere Verantwortung für unsere Mitmenschen zu erkennen und mit der Geduld Gottes mit ihnen weiterzugehen.
22.01.2026 ih

° Aus: Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 1. Bd. S.94f