12. Sonntag im Jahreskreis 21.06.2026 Lesejahr A

„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!“ Mt 10,28

„Es ist leichter in den Himmel zu kommen, als in die Hölle zu stürzen. Der Teufel selbst ist erstaunt, dass er uns so leicht in Versuchung führen kann. Gott ist das Element, in dem wir leben müssen. Wenn wir uns daraus entfernen, sind wir unglücklich.“° Pfr. von Ars

Hölle – der Herr spricht von Hölle. Heutzutage geradezu ein Tabu. Aber hören wir doch genau hin. Dem Herrn geht es ganz gewiss nicht darum, uns vor dem Richterspruch Gottes Angst einzujagen. „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht!“ (Mt 10,30f). Liebende Sorge für jeden von uns spricht aus diesen Worten. Nur so können wir Seine Worte von der Hölle recht verstehen. Der Herr möchte jeden von uns bei Sich haben – für immer. In Seiner Barmherzigkeit kommt Er uns mit allen Gnaden entgegen. Und doch bleibt unsere Freiheit, dass wir uns auch gegen Ihn entscheiden können und eben nicht unser Ziel erreichen. Der Herr will uns warnen, die Augen öffnen, damit wir hellwach erkennen, dass die Kräfte der Hölle alles versuchen, um uns von unserem Weg zu Gott abzuziehen. Auch wenn wir überzeugt sind, treu zum Herrn zu stehen, vertrauen wir doch nicht auf uns, sondern auf den Herrn allein!
Petrus hat aus Furcht vor Menschen den Herrn dreimal verleugnet und war sich doch so sicher, dass er Ihm die Treue halten würde, auch wenn er mit Ihm sterben müsste (Mt 26,35). Sein innerer Zusammenbruch war groß bei der Erkenntnis seiner Schwachheit: „…er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Mt 26,75). Groß ist der Mut des Petrus zur Umkehr. Er hatte die Barmherzigkeit des Herrn drei Jahre lang erfahren und glaubte, dass auch er nicht davon ausgeschlossen ist. Sein Versagen hat ihn gelehrt, was uns bei den Versuchungen stark macht - die Wachsamkeit in der Kraft des Glaubens. Er hat erkannt, dass hinter allen Versuchungen der Widersacher, der Teufel, steht, der wie ein brüllender Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlingen kann (1Petr 5,8ff). Ein Thema, das heute meist ausgeklammert wird. Stattdessen werden weitgehend Schuld und Versagen psychologisch erklärt. Natürlich gibt es für jedes Versagen irgendwelche nachvollziehbaren Gründe, die aber letztlich nicht ausreichen. Es gibt auch Kräfte, die uns von Gott entfernen wollen.
Auch der Hinweis auf Gottes Barmherzigkeit, die doch keinen Menschen von der ewigen Herrlichkeit ausschließen kann, ist eine Versuchung von unten. Gott möchte geliebt werden in Freiheit, weil ohne Freiheit es keine Liebe gibt.
Der Pfarrer von Ars hat die Gewalt der Hölle nicht nur in seinem Herzen, sondern auch in seinem Körper in vielen dämonischen nächtlichen Angriffen erfahren. Anfangs hat auch ihn Angst befallen. „Ich kam zu der Überzeugung, es ist der Teufel, weil ich Furcht empfand… Seinem Beichtvater hat Vianney erzählt, wie er diese Angriffe überstanden hat. „Ich wende mich an Gott. Ich mache das Zeichen des Kreuzes. Ich schleudere Satan einige Worte der Verachtung hin. Ich habe zudem festgestellt, dass sich der Lärm verstärkt und die Angriffe sich vervielfältigen, wenn am nächsten Tag ein großer Sünder kommen wird.“°²
Gebet und Glauben an die Hilfe Gottes waren seine Mittel, die dämonischen Angriffe, die ihm große Gnadenströme ankündigten, zu bestehen.
Die Furcht vor dem Teufel lähmt, die Furcht d. h. die Ehrfurcht vor Gott führt auf den richtigen Weg zur ewigen Herrlichkeit.
Hören wir mit dem Heiligen Pfarrer auf die Worte des Herrn! Nehmen wir im Herzen Seine Liebe, Seine Sorge um uns an! Vertrauen wir uns in all unseren Schwächen immer wieder neu ohne Entmutigung dem Herrn an, der schon längst da ist, ehe wir Ihn um seine Hilfe bitten.
20.05.2026 ih

Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernhard Nodet, 1959, 293.
°² Francis Trochu, Der Pfarrer von Ars, 2011, S.210