„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Mt 10,8,
„O Jesus, dich erkennen heißt, dich lieben! … Wenn wir wüssten, wie unser Herr uns liebt, würden wir vor Wonne sterben! Ich glaube nicht, dass Herzen so hart sein könnten, um nicht zu lieben, wenn sie sich so sehr geliebt sehen …“ °Pfr. von Ars
Umsonst – das ist ein zentraler Begriff des heutigen Evangeliums. Gott liebt uns - ohne irgendein Verdienst von uns. Ohne Vorbedingung ist Gottes Sohn Mensch geworden - für uns, allein aus der Liebe Gottes zu Seinem gefallenen Geschöpf. Umsonst hat Gott zwölf Jünger erwählt mit dem Auftrag die Nähe des Himmelreiches zu verkünden, Kranke zu heilen, Tote aufzuwecken, Aussätzige rein zu machen und Dämonen auszutreiben. Die große Kraft dieses Auftrages scheinen wir heute kaum noch zu spüren, sehen wir doch so wenig oder auch nichts von diesen Wirkungen. Galten diese Worte nur für die Anfangszeit der Verbreitung des Reiches Gottes? Wohl kaum, denn das Wort des Herrn gilt für immer. So müssen wir auf uns schauen, auf unseren Mangel an Glauben und Vertrauen an das, was der Herr für immer sagt.
Den Herrn der Ernte sollen wir bitten, Arbeiter für Seine Ernte auszusenden! Vielleicht geschieht es gelegentlich in einer kurzen Fürbitte während der heiligen Messe, sonst aber wohl kaum. Wir bleiben lieber beim Klagen über den Mangel an Priesterberufungen. Und auch die wenigen Gläubigen, die regelmäßig um Priester beten, müssen gegen die innere Ermüdung kämpfen, weil sie von der Frucht ihres Gebetes kaum etwas erfahren. Vielleicht ist die Erschlaffung schon so groß, dass wir gar nicht mehr die Erhörung unserer Bitten erhoffen.
Aber es gilt weiterhin das Umsonst. Jeder Gedanke, dass wir zu unbedeutend sind, um erhört zu werden, ist eine große Versuchung gegen Gottes Großzügigkeit. Er gibt umsonst nach Seinem heiligen Plan, wann Er will, wie Er will und wo Er will. Wir hören doch von vielen Priesterberufungen zum Beispiel in Afrika. Da sind sicher auch unsere Gebete hinein verflochten.
Und vielleicht von dorther oder von einer anderen Region der Welt kann unsere Liebe zu Gott hier wieder entzündet werden, sodass auch wir wieder glühend danken für jede Priesterberufung und um weitere Berufungen bitten. Lassen wir dieses Wort „umsonst“ ganz tief in unser Herz eindringen und beten wir in der Kraft des Heiligen Geistes einfach weiter, auch ohne „Erfolge“ unserer Bitten zu sehen.
Der Heilige Pfarrer hat sehr oft wunderbare Heilungen und große Bekehrungen erlebt. Nichts war im unangenehmer als großer Dank von Seiten der Gläubigen. Er liebte das Schweigen über alles Wunderbare mit Ausnahme, wenn es der Ehre Gottes diente. Dann konnte er auch darüber sprechen. Es geschah dann gleichsam, um die Ehre Gottes zu verteidigen°².
Vianney wusste sich von Gott geliebt und kannte gleichzeitig seine eigene Nichtigkeit vor Gott. So konnte er alles als Geschenk empfangen und umsonst weitergeben, ohne Dank zu erwarten.
Mit der Hilfe des Heiligen Pfarrers können wir auch das Umsonst der Liebe Gottes erfahren und diese Liebe weitergeben - im Gebet für und um Priester.
13.05.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.59
°² Joseph Vianey, Le Bienheureux Curé d’Ars, 1923, s.155
