„In jener Zeit sah Jesus einen Mann namens Matthäus am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.“ Mt 9,9
„Es ist ärgerlich, dass der Pfarrer von Ars dazu da ist, um das neunzehnte Jahrhundert zu beunruhigen. (Ein Mann aus Villefranche)“ °
Die Berufungsgeschichte des Matthäus ist unglaublich. Ein einziger Blick Jesu mit der Einladung zur Nachfolge trifft ihn. Er steht auf und folgt Ihm nach. Ins eigene Leben übersetzt, können wir uns das nicht vorstellen. Aber im Matthäusevangelium spielt der Blick des Herrn eine ganz besondere Rolle. Genauso hat der Herr auch auf Simon und Andreas geschaut mit den Worten: Kommt her, mir nach! Und sie folgten sofort (Mt 4,18f).
Der Blick Jesu offenbart, dass Er mehr als ein einfacher Mensch ist. In Seinem Blick zeigt sich ein Funken der Herrlichkeit Gottes, der den Menschen bis in die Seele trifft. Nach der Berufung des Matthäus findet ein großes Fest der Freude für Zöllner und Sünder statt - ein Spiegel der Barmherzigkeit Gottes, der alle annimmt, die Seinem Ruf folgen.
Das Matthäusevangelium berichtet aber auch über die Verweigerung eines jungen Mannes zur Nachfolge wegen seines großen Reichtums. Dieser Mann ging traurig weg (Mt 19,16ff). Auch beim Anblick der Barmherzigkeit Gottes im Antlitz Jesu kann sich der Mensch öffnen oder verschließen und erfährt die Folgen seiner Entscheidung: Freude oder Traurigkeit.
Gott hat uns zur Freude berufen und Seinen Sohn zur Erde gesandt, damit Er mit uns den Weg zu dieser Freude zeigt und selbst mitgeht.
Im Pfarrer von Ars, der ganz in Gott lebte, wurde die Kraft Jesu in seinem Blick von vielen Menschen erfahren, die sich so zur Umkehr entscheiden konnten.
„Der Heilige Pfarrer heftete einen scharfen, durchdringenden Blick auf ihn, in dem sich die Milde eines Vaters und die Blitze eines Propheten vereinigten, und sagte zu ihm, auf den Beichtstuhl zeigend: „Setzen Sie sich da.“ Trotz seiner starken Weigerung war der Mann sichtlich bewegt. Der Blick des Pfarrers haftete auf ihm fort und fort, bis der Mann in die Knie sank und seine Beichte begann. Aber die Ablehnung blieb. Erst als dieser Mann Vianney am nächsten Tag am Altar gesehen hatte, wandte sich sein Herz und er setzte die Beichte fort. Tiefes Glück erfüllten ihn und seine Frau, die jahrelang um seine Bekehrung gebetet hatte.°²
Im Pfarrer von Ars, unterstützt durch das Gebet von Gläubigen, offenbarte sich Gottes Größe und Barmherzigkeit, sodass nicht nur das 19. Jahrhundert davon beunruhigt war. Gottes Wirken ist auch heute erfahrbar durch Menschen, die Ihm das Ja zur Nachfolge geben trotz der eigenen großen Schwachheit und Armseligkeit. Schon irdisch erfahrbar ist dann etwas von der Freude des Himmels - trotz der nicht ausbleibenden Anfechtungen, durch die der Herr mit uns hindurchgeht.
Stellen wir uns heute wieder bewusst unter den Blick Jesu und geben wir Ihm auf die Fürbitte des Heiligen Pfarrers erneut unser Ja zu Seiner Einladung zur Nachfolge.
7.05.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.179
°²Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd. S.128f
