„Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Lk 4,12
„Er sagte oft, dass man den lieben Gott nicht versuchen und keine Wunder von ihm erbitten darf.“ °
Versuchung - ist das heute überhaupt noch ein relevantes Thema? Sünde wird immer mehr auf psychologischem Hintergrund erklärt, den es zweifellos gibt. Als nächstes weist man auf die Barmherzigkeit Gottes, der doch unsere Schwachheit kennt und es nicht so eng sieht. Er ginge doch auch den Weg mit uns weiter, wenn wir in Sünde gefallen sind.
Das stimmt! Gott verlässt uns nie, aber Er ruft uns jeden Tag neu zu Umkehr auf.
Vor Seinem öffentlichen Wirken verbringt der Herr vierzig Tage in der Wüste und wird dabei vom Teufel versucht. Er geht siegreich aus allen Versuchungen hervor und schenkt uns so die Hoffnung, dass wir mit Ihm ebenfalls siegen können.
Wachsamkeit ist unerlässlich zu einem Sieg über die Sünde. Die erste Versuchung zielt darauf ab, dass Jesus Seine Kraft als Gottes Sohn in Anspruch nimmt, um seinen Hunger zu stillen: „Wenn du Gottes Sohn bist…“ Genau diesen Satz schleudern die Leute mit Hohn Jesus am Kreuz entgegen: „Wenn du Gottes Sohn bist, steig herab vom Kreuz und rette dich selbst (Mt 27, 40)!“ Es geht also um nichts weniger als um die Sendung des Herrn zur Rettung des ganzen Menschengeschlechtes. Er ist nicht gekommen, um Seine göttliche Kraft zu Seinem eigenen Nutzen einzusetzen, sondern um Rettung aus Sünde und ewigen Tod zu bringen. So offenbart Er die Hingabe im Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Und so soll auch unser Leben Hingabe an Gott und den Nächsten sein.
In der zweiten Versuchung wird dem Herrn der ganze Erdkreis versprochen um den Preis der Anbetung Satans. Dieses angebotene „Geschenk“ ist reine Lüge: „denn mein ist der Erdkreis und seine ganze Fülle“ spricht Gott der Herr Psalm 50,12.
Mit dieser Versuchung wird jeder in der Nachfolge Christi konfrontiert. Vieles auf dieser Welt ist so wunderschön, dass es erstrebenswert scheint und das Reich Gottes vergessen werden kann. Aber es ist zutiefst Abwendung vom Gott. Die Schöpfung wird in das Zentrum gestellt. Den Blick immer wieder neu auf den Herrn richten, ist Rettung.
In der dritten Versuchung setzt der Teufel noch eins drauf. Mit dem Psalm 91,11f führt er Jesus in die Versuchung der Vermessenheit: „Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten; und: sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit den Fuß nicht an einen Stein stößt.“
Auf Seinem Kreuzweg wird der Herr in Seinem dreimaligen Fall brutal auf die Steine des Weges aufschlagen. Er wird das schwere Kreuz tragen, das Ihn niederdrückt. Und trotzdem verwirklicht sich gerade im Kreuzweg dieses Psalmwort, zwar nicht äußerlich, aber gemäß dem Plan des Vaters zum Heil der Menschheit. Jesus hätte den Leidensweg auch ablehnen können zur Rettung seines eigenen irdischen Lebens. Gerade dies hat Er nicht getan und hat so die Steine überwunden, die uns auf dem Weg zum ewigen Heil zu Fall bringen wollen. Diese Versuchung ist eine Ungeheuerlichkeit, Satan stellt Gott auf die Probe durch die Versuchungen von Jesus und auch von jedem von uns. Er will sich damit an die Stelle Gottes setzen. Dagegen klingt mächtig das Wort des Erzengels Michael: Wer ist wie Gott?
Durch den Pfarrer von Ars sind viele Wunder in der Providence wie durch die Vermehrung von Mehl, aber auch durch Heilungen schwerstkranker Menschen geschehen. Er kennt die Versuchung, um ein Wunder zu bitten in aussichtsloser Lage und hat eindringlich davor gewarnt. Er mahnte, alle Kräfte selbst einzusetzen und im Vertrauen zu bleiben. Und das ist das Entscheidende, nicht selbst Gott vorschlagen, was Er möglichst tun solle, sondern Ihm alles überlassen, so wie der Herr am Kreuz. Das ist höchste Anbetung und Verehrung Gottes.
Erschreckend kann uns bewusstwerden, wie eine Fehldeutung eines Wortes der Bibel Sünde sein kann und zur Sünde verführt. Ausdrücklich berichtet Lukas, dass Jesus erfüllt vom Heiligen Geist in der Wüste umhergeführt wurde. Nur in der Kraft und unter der Führung des Heiligen Geistes konnte Jesus in den Versuchungen bestehen. Bitten wir mit dem Pfarrer von Ars täglich neu um diesen Heiligen Geist, der uns Versuchungen erkennen und bestehen lässt.
5.02.2025 ih
Aus: Bernard Paubel, Die Geschichte der Providence, Sanctuaire d’Ars Les Annales n° 400, S. 14, übersetzt ih