„In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden.“ Mt 4,1
„Drei Dinge sind in der Versuchung unbedingt nötig: das Gebet, um uns zu erleuchten, die Sakramente, um uns zu stärken, und die Wachsamkeit, um uns zu bewahren.“ °Pfr. von Ars
Vor dem öffentlichen Auftreten wird der Herr vom Geist in die Wüste geführt. Er ist geschützt durch die Gegenwart des Geistes und doch wird Er gerade dort scheinbar ungeschützt dem Teufel ausgesetzt. So soll Er das Ungeschützt-sein Adams und Evas vor dem Teufel nach dem Sündenfall teilen und den Weg gehen, auf dem Er die Menschen zu Gott zurückführt.
Die erste Versuchung spielt sich auf rein menschlicher Ebene ab, um in der Kraft als Gottes Sohn den Hunger zu stillen. Haben wir nicht auch manchmal die Erwartung an Gott, dass Er unsere Bedrängnisse wegnehmen kann? Sind wir nicht doch enttäuscht, wenn wir nach jahrelangem Beten nicht erhört werden. Jesus nimmt uns mit in Seinen Gehorsam, sodass wir Gott souverän sein lassen in Seinem Handeln, das wir nicht verstehen.
Bei der zweiten Versuchung setzt der Teufel ein Bibelwort aus Psalm 91,1f ein: auch wenn Jesus sich von dem Tempel hinunterstürzt, werden die Engel Ihn auf den Händen tragen. Diese Versuchung sollte uns sehr zum Nachdenken bringen. Wie leicht kann ein Bibelwort in der wahren Bedeutung völlig in das Gegenteil verdreht werden! So sind auch Kirchenspaltungen entstanden.
In der dritten Versuchung nimmt der Teufel eine dreiste Lüge zu Hilfe, um die Anbetung Jesu zu erreichen. Dies ist eigentlich das Ziel aller Versuchungen. Satan will sich an die Stelle Gottes setzen und Anbetung erhalten, die Gott allein gebührt. Nun siegt der Herr mit einem Bibelwort: Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen (Dtn 5,9; 6,13).
Einfach ist also der Kampf mit dem Satan keineswegs. Er ist der Vater aller Täuschungen, wie die Ostkirche sagt. Wir lassen uns allzu leicht täuschen von unseren eigenen Erfahrungen und Gedanken. Neben dem Gebet und den eigenen Bemühungen ist wesentlich das Leben in den Sakramenten, den Heilsmitteln, die der Herr uns selbst geschenkt hat. Am Beginn dieser Fastenzeit ist von vorrangiger Bedeutung die heilige Beichte, das Sakrament der Versöhnung. Mit einem gereinigten Herzen erkennen wir besser den Willen Gottes.
Unser Ringen im Willen Gottes zu leben, wird auf dieser Erde nie ein Ende haben. Auch wenn wir es nicht wollen, wir werden immer wieder in Sünden fallen und darunter leiden. Dies kann leicht zu Mutlosigkeit und wie beim Pfarrer von Ars auch an den Rand der Verzweiflung führen. Das Heilmittel in dieser Situation ist ein großes Gottvertrauen, dass der Herr uns schenken wird, wenn wir Ihn darum bitten.
Vianney hatte anfangs große Angst vor den nächtlichen dämonischen Angriffen, die auch starke Männer nicht aushalten konnten. Schließlich konnte er versichern, dass er wegen seines großen Gottvertrauens gar keine Angst mehr gehabt hätte.°²
Gehen wir mutig mit unserem Heiligen Pfarrer in diese Fastenzeit. Er hat menschliche Schwächen bei sich und anderen zutiefst erkannt. Er wird uns helfen, durch alle Niederlagen hindurch beharrlich auf dem Weg der Nachfolge des Herrn zu bleiben, sodass wir tiefer als bisher dem Osterfest entgegengehen können.
19.01.2026 ih
° Aus: Bernard Nodet, Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, 1959, S.211
°² ebenda S. 215
