Verklärung des Herrn 06.08.2026 Lesejahr A

„Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr.“ Mt 17,5f
„Weit entfernt, den Christ in Verzweiflung zu stürzen, wird das Letzte Gericht ihn nur trösten. Er wird statt eines strengen Richters seinen Vater und Erlöser finden.“ °Pfr. von Ars

Licht vor dem Leiden, das kommt uns meist bei der Verklärung Christi in den Sinn. Dabei wird jedoch übersehen, dass vor diesem Ereignis Jesus von der Wiederkunft des Menschensohns mit Seinen Engeln in der Herrlichkeit des Vaters spricht und dann jedem nach seinen Taten vergelten wird. Und er bestätigt, dass einige, die hier stehen, den Tod nicht schmecken werden, bis sie den Menschensohn in seinem Reich kommen sehen (Mt 16, 27f). Es geht also um mehr als nur um die Stärkung des Glaubens der Apostel in den Stunden des Leidens.
Jesus lässt Petrus, Jakobus und Johannes Seine Wiederkunft als Richter in der Herrlichkeit des Vaters schauen. Petrus hat dies so verstanden, da er bestätigt, dass sie Augenzeugen seiner Macht und Größe bei der machtvollen Ankunft Jesu Christi waren (2 Petr 1,16ff). Ausblick auf das Ende der Welt, das ist etwas Gewaltiges, Erschreckendes, da wir es uns nicht vorstellen können.
So befiel die Jünger am Berg Tabor Angst und sie warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Von Furcht und Anbetung waren sie erfüllt. Aber der Herr lässt sie nicht allein. Er geht zu ihnen, fasst sie an und spricht zu ihnen: Steht auf und fürchtet euch nicht (Mt 17, 7).
Jesus will sie also keineswegs durch das Erlebte in Angst und Schrecken versetzen, sondern Seinen Beistand ihnen schon jetzt für das Letzte Gericht zusichern. Solch einen Trost schenkt der Herr ihnen noch vor Seinem Tod! Er wird sie nie allein lassen! Was für ein großes Geschenk ist das, nicht nur damals für die Apostel, sondern heute auch für uns. „Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein“ (Mt 17,8). Und das genügt!
Packt auch uns nicht immer wieder einmal die Angst bei dem Gedanken, dass wir vor Gott Rechenschaft für alles ablegen müssen?
Der Heilige Pfarrer hat sein Leben lang mit dieser Angst gerungen, obwohl er die Nähe Gottes in Überfülle erfahren durfte. Aber je mehr wir uns Gott nähern und seine Heiligkeit erahnen dürfen, umso schärfer erkennen wir auch unser eigenes Versagen bis ins Kleinste hinein. Wir können in unserer Armseligkeit vor Gott einfach nicht bestehen.
Der Bischof Msgr. de Langalerie des Heimatsbistums Belley hat in seiner Predigt am Tag des Begräbnisses am 6. August 1859 das Ringen Vianneys nachgezeichnet.
“Euge, serve bone et fidelis, intra in gaudium Domini tui“ ( Mt 25,21 Wohlan, du guter und getreuer Knecht, geh ein die Freude deines Herrn), war sein Leitwort. Der Bischof wies darauf hin, dass trotz seiner Heiligkeit und großen Werke Vianney sich immer als armen Sünder sah. „Für Augenblicke zitterte er vor dem göttlichen Gerichte. Die letzten Tage seines Lebens aber sind in tiefer Ruhe dahingeflossen; ohne Zweifel war das göttliche Wort in seinen Ohren erklungen: Euge (Wohlan)! Aber in seiner ersten Krankheit vor sechzehn Jahren… da konnte man die Angst seiner Seele gewahren.“°² Der Bischof ermunterte die Gläubigen einer zu lebhaften Furcht zu widerstehen, so wie ihr Pfarrer letztlich der Furcht widerstand.
Vianney war ohne allen Todeskampf am 4. August 1859 morgens um zwei Uhr entschlafen.
Es ist gut, den Weg des Heiligen Pfarrers zu betrachten. Er ist ihn nicht für sich alleine gegangen, sondern auch für uns, die wir den letzten Weg noch vor uns haben.
Immer wenn uns Angst fällt, dass wir vor Gott nicht bestehen können, rufen wir doch den Heiligen Pfarrer an, der dieselbe Not schon durchlitten hat und uns beistehen wird. Schauen wir mit ihm auf Jesus allein, der immer dann uns besonders nahe ist, wenn wir uns verloren und unwürdig fühlen. Eine solche Liebe Gottes dürfen wir heute feiern.
1.07.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959, S.286
°²Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, Joh. Bapt. Maria Vianney, 1863, 2. Bd. , 496f