Allerheiligen 01.11.2026

„Selig die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ Mt 5,9
„Die Heiligen verlieren sich selbst aus dem Auge, um nur Gott zu sehen, sie arbeiten nur für ihn. Sie vergessen alles Geschaffene, um nur ihn zu finden.“° Pfr. von Ars


Wie sehr sehnen sich die Menschen gerade heute bei so vielen Kriegen und Konflikten nach Frieden! Wie viele Vorschläge, die einander widersprechen, werden geäußert, um den Frieden zu erreichen und zu sichern!
Vianney hat von Kindheit an durch die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege die Realität der Verfolgung und des Krieges gekannt und die menschliche Ohnmacht im Alltag, besonders aber auch im religiösen Leben erlitten.
Es war nicht so, dass er sofort in seiner Zuflucht zu Gott von Ängsten befreit wurde. Die Auseinandersetzungen zwischen Österreich und dem Königreich Sardinien-Piemont mit dem Verbündeten Frankreich unter Napoleon III. 1859 erfüllten ihn mit großer Besorgnis. Er kannte die politischen Verhältnisse nicht.
„Aber was er doch wusste, und was ihn so tief betrübte, das war, dass sich hier zwei katholische Nationen feindlich gegenüber standen und dass die Armeen des Kreuzes einen katholischen Boden mit Blut drängten und dazu fürchtete er, die Kriegsfackel, welche jetzt an den Alpen wütete, möge zum Sitze des Vaters der Christenheit überfliegen. Er wusste, dass Frankreich hier die Sache einer Regierung verteidige, die die Kirche verfolgt und geplündert hatte. Er bedauerte, dass Frankreich, die älteste Tochter der Kirche, von dieser Regierung, bevor es sich mit ihr durch ein Bündnis verknüpfte, nicht gefordert habe, sie solle wieder zu ihrer Mutter zurückkehren, und seine Ängste und Besorgnisse stiegen in dem Maße, als der Kampf sich in die Länge zog.“°²
Nach dem Sieg Frankreichs in den blutigen Kriegen von Magenta und Solferino im Juni 1859, also kurz vor seinem Tod, vergoss er bittere Tränen, weil er das Ende der Auseinandersetzung nicht sah. Er war überzeugt, dass der Krieg so lange andauern wird als unsere Sünden. Und auch am Oktavtag des Fronleichnamsfestes äußerte er, dass der Gott des Friedens in seinen Händen den Frieden nicht verleihen kann, bevor wir nicht im eigenen Herzen den Frieden hergestellt haben.°²
Den Friedensschluss zwischen Frankreich und Österreich am 10. November 1859 in Zürich erlebte Vianney nicht mehr.
Diese Worte des Heiligen Pfarrers sind auch für uns von ganz großer Bedeutung. Es werden ständig Schuldige, Verantwortliche gesucht, die doch etwas tun müssten. Dabei vergessen wir, dass jeder einzelne gefragt ist, dem Frieden den Weg zu bahnen im eigenen Herzen. Und das ist alles andere als leicht. Aber in allen Leiden über das Unheil in dieser Welt gibt es nur den einzigen Ausweg, sich selbst aus dem Auge zu verlieren, um nur Gott zu sehen, nur für ihn zu arbeiten, um ihn zu finden.
Die Seligpreisungen können nur von Gott her verstanden werden. Ein Armer ist nicht deswegen selig, weil er arm ist, sondern weil er seine Armut, die eigene Ohnmacht mit Gottes Gnade annimmt. Er lebt so die Abhängigkeit von Gott, aus der sich Adam und Eva verabschiedet haben im verblendeten Glauben, alleine es besser zu können. Rückkehr in die absolute Bindung an Gott ist der Weg in das Himmelreich.
Zu dieser Rückkehr in die Abhängigkeit von Gott sind wir heute auf die Fürsprache aller Heiligen ganz besonders eingeladen, damit in unseren Herzen Frieden werden kann und dieser Friede sich ausbreitet. Der Heilige Pfarrer versteht unserer Ängste und wird uns helfen, den Blick immer mehr absolut auf Gott zu richten.
29.09.2026 ih

Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959. S.302
°² Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von
Ars, 2. Bd. 1859, S.242f