27. Sonntag im Jahreskreis 04.10.2026 Lesejahr A

„Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten“ Mt 21,40f
„Furcht vor dem Gericht Gottes quälte ihn unausgesetzt.“ °Fr. Jerôme

Der Herr ist schon in Jerusalem und weiß um Sein nahes Ende. So werden Seine Gleichnisse den Hohenpriestern und Ältesten gegenüber immer drastischer. Ja, Er will sie in Schrecken versetzen mit dem einzigen Ziel, sie in die Liebe Gottes zurückzuholen. Nicht vorgelesen wird im heutigen Evangelium die Reaktion der Hohenpriester und Pharisäer, die merkten, dass Er von ihnen sprach. Sie suchten Ihn zu ergreifen, fürchteten aber die Menge, weil sie Ihn für einen Propheten hielten. Der Herr wird weiter mahnen bis zu den Wehe-Rufen über die Schriftgelehrten und die Pharisäer (Mt 23ff) - zunächst ohne Erfolg! So wird erst bei Seinem Kreuzestod deutlich, dass keins Seiner Worte umsonst war. Der Pharisäer Nikodemus, der Jesus in der Nacht aufgesucht hatte (Joh 3,1-9), wird Ihn später im Rat der Hohenpriester und Pharisäer verteidigen, dass man Jesus erst anhören müsse, bevor man Ihn richten kann. Er wird zusammen mit Josef von Arimathäa, einem ebenfalls verborgenem Jünger Jesu, eine würdige Beerdigung dem Herrn bereiten. Nicht an allen sind die Worte Jesu also abgeprallt, wie es auf den ersten Blick scheinen könnte. Das kann Hoffnung und Trost auch heute sein, wenn so vieles verloren scheint.
Der Heilige Pfarrer hat oft über die Hölle gepredigt, um die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Madame des Garets berichtet, dass er einmal mehrfach die Worte wiederholt hat: „Verflucht von Gott, Verflucht von Gott! … Welch ein Unglück!“ Es waren nicht die Worte, sondern sein Schluchzen, das allen seinen Zuhörern Tränen entriss.°²
Auch bei der Beichte scheute sich Vianney nicht, einen schweren Sünder zu erschüttern mit den Worten: „Mein Freund, Sie sind verdammt.“ Sofort aber fügte er hinzu, was der Sünder vermeiden soll, damit er gerettet wird.
Das war offensichtlich nicht nur in der Anfangszeit seines Dienstes in Ars, sondern auch später. Franz Bourdin aus Villebois hatte sich 1856 infolge missglückter Geschäfte noch jung funfunddreißigjährig verzweifelt zu seinem Schwiegervater zurückgezogen. Trotz Drängens seiner Familie hatte Bourdin an den Übungen während der Mission in Ars nicht teilgenommen, bis er sich doch endlich zur Beichte beim Pfarrer von Ars entscheiden konnte. Und dann hatte er als ganzen Zuspruch nach dem Geständnis seiner Armseligkeiten und Fehler diese entsetzliche Antwort erhalten „Junger Mann, Sie sind verdammt!“ Aber gerade diese Drohung flammte blitzartig durch seine Seele. Franz Bourdin war bekehrt und blieb bis auf sein Sterbebett ein eifriger Christ.°³
Zur Nachahmung für alle ist das sicherlich nicht zu empfehlen. Der Heilige Pfarrer hatte die Herzensschau und wusste, welche Worte eine Seele zur Umkehr führen würden. Er war der Überzeugung, dass derjenige, der Angst vor der Hölle hat, geringer in Gefahr ist, dort hineinzukommen. Er selbst hat sein Leben lang unter der Angst gelitten, nicht zu Gott zu kommen, aber die Hoffnung auf Gottes Liebe nie aufgegeben. Er wusste aber auch, dass das Wesentliche Gottes Gnade ist. „Wir werden wahrhaft frei sein, wenn die Liebe Christi, unseres Herrn, uns befreit hat.“ °4 Joh 8,36
Lassen auch wir uns von den mahnenden Worten Christi treffen, dass unser Weg vielleicht nicht gelingen kann. Gleichzeitig werfen wir uns aber in die Arme des Herrn, mit der Bitte uns zu ändern, herauszureißen aus Fehlhaltungen und Sünden und uns zu zeigen, wie wir mitwirken können. Der Pfarrer von Ars wird uns helfen, unsere Defizite zu erkennen und mit Gottes Gnade zu überwinden.
25.08.2026 ih
Aus: Jean-Marie Vianney Pfarrer von Ars, hrsg. Bernard Nodet, 1959. S.296
°² Bernard Nodet, Le Curé d’Ars par ceux qui l’ont connu,1994, S.132
°³ Francis Trochu, Der Pfarrer von Ars, 2001, S.255f
°4 Abbé Monnin, Esprit du Curé d’Ars, 2007, S.189