„Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel gegeben wie dir.“ Mt 20,13f
„Retten Sie doch Ihre arme Seele!“ °Pfr von Ars
Verstehen können wir sehr wohl die Enttäuschung der Arbeiter der ersten Stunde. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn“, heißt es schon bei Jesaja“ (Jes 55,8). Obwohl das Volk auf zwei Bundestafeln die zehn Gebote Gottes auf dem Berg Sinai erhalten hat und durch die Propheten oft daran erinnert wurde, entfernten sich ihre Herzen immer mehr von Gott. Jesus möchte die Menschen zurückführen in die innige Beziehung mit Gott, der Liebe und Barmherzigkeit ist.
Die Arbeiter der letzten Stunde warteten den ganzen Tag auf eine Einstellung – vergebens. Sie werden kein Geld zur Ernährung der Familie für diesen Tag verdienen. Welche Enttäuschung! Warum wurden sie nicht angeworben? Vielleicht sahen sie nicht so stark aus wie die Arbeiter der ersten Stunde. Wir wissen es nicht. Der Herr nimmt ihre Not wahr und auch sie erhalten das, was sie heute benötigen.
Beim Heiligen Pfarrer können wir den Umgang Gottes mit dem Arbeiter der letzten Stunde sehen. Im Mai 1856 erreichte er eine plötzliche Bekehrung eines achtzigjährigen Greises. Der Mann war in der Tat sehr gottlos und konnte nur Gotteslästerungen ausstoßen. Gottes Namen und der des Pfarrers von Ars brachten ihn förmlich in Wut. Der gute Pfarrer war über ihn informiert und suchte ihn in seinem Gasthaus auf, da man ihn unmöglich zur Kirche bringen konnte. Er warf sich ihm bitterlich weinend zu Füßen und sagte: „Retten Sie doch Ihre arme Seele!“ Der Greis war bekehrt, begann zu weinen und betete in einem fort das Vaterunser und das Ave Maria. Morgens und abends kam Vianney ihn Beichte hören. Eine gute und andächtige Kommunion besiegelte die Bekehrung dieses Arbeiters der elften Stunde.°
So großzügig ist Gott! Auch wer sich erst in der letzten Stunde Ihm zuwendet, erhält die Fülle des Heils. Allerdings wäre dies wohl kaum ohne den Heiligen Pfarrer geschehen. Auch wenn wir in unserem Glauben nur ganz schwach sind, beten wir doch für die Bekehrung der Sünder, wie es Vianney immer wieder gelehrt hat.
Es wäre aber zu einfach, auf die großen Sünder zu schauen in der Überzeugung, das Heil durch die eigene Glaubenspraxis sicher zu erreichen. Auch da müssen wir beim Heiligen Pfarrer in die Schule gehen. In der schrecklichen Hitze des Monats Juli 1859, was wir in diesem Jahr besonders gut nachvollziehen können, war Vianney mehrfach ohnmächtig geworden, arbeitete jedoch weiter ohne Einschränkung. Aber seine Schwäche trotzte diesmal seiner Willenskraft. „Er rief; man ging zu ihm hin. „Sie sind schwach, Herr Pfarrer?“ „Ja, ich glaube es ist mein armes Ende da.“ „Ich will um Hilfe rufen.“ „Nein; beunruhigen Sie niemanden; es ist nicht der Mühe wert.“°²
Sein ganzes Leben hat Vianney sich als arm gesehen. Er sprach von seinem armen Kadaver, armen Leben, armen Ende. Je mehr er in der Einheit mit Gott geborgen war, umso mehr hat er den großen Abstand zwischen der Heiligkeit Gottes und sich selbst erkannt. Der heilige Franziskus, zu dessen Dritten Orden Vianney gehörte, sagte in seiner Krankheit vor dem Tod das berühmte Wort: „Brüder, lasst uns anfangen, Gott dem Herrn zu dienen! Denn bis jetzt haben wir kaum oder auch keinen Fortschritt gemacht!“°³
Das ist der Kern des heutigen Evangeliums. Wir alle sind Arbeiter der letzten Stunde. Was sind denn unsere Gebete oder Werke angesichts der Heiligkeit Gottes? Wir sind in Gottes Nähe in unsrer Armseligkeit auf Sein Erbarmen angewiesen.
Danken wir mit dem Heiligen Pfarrer für diese Erkenntnis, dass wir Arbeiter der letzten Stunde sind.
11.08.2026 ih
Aus: °Alfred Monnin, Leben des im Jahre 1859 im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Pfarrers von Ars, 2. Bd. 1863, S.131f
°² ebenda S. 479
°³ www.fg-bayern.de Bildungskurs OFS Deutschland Thema 6 Buße
