Freundschaft mit Gott im Hl. Geist beim Pfarrer von Ars - Pfr. Walter Böhmer

 

Wenn man den Hl. Geist besitzt, wird das Herz weit und badet in der göttlichen Liebe.

Der große Starez Russlands, der Hl. Seraphim von Sarow sagte das berühmte Wort: Versuche wirklich beständig in der Gegenwart Gottes zu leben und rufe unablässig seinen Hl. Namen an, dann wird der Hl. Geist dich auf den Weg der Heiligkeit führen und Wohnung in dir nehmen und Tausende um dich werden sich bekehren.

Der Erwerb des Hl. Geistes, er ist unendlich notwendig, um den Auftrag Jesu zu erfüllen: Macht die Menschen zu meinen Jüngern. Nicht nur durch die Bischöfe und Priester, sondern durch uns alle. Jeder durch sein persönliches Beispiel. Weniger aber durch unser Reden, sondern unser Leben soll Zeugnis geben für die Liebe Gottes, der Geborgenheit in Gott. Ein überzeugtes Leben nehmen die Menschen noch ab, Reden selber weniger.

Das wird auch deutlich an Philipp Mickenbecker, der am 9. Juni dieses Jahres mit 23 Jahren an Lymphdrüsenkrebs verstorben ist. Die letzten 6 Monate hat er viele Filmaufnahmen von sich machen lassen, hat hier wirklich ein großartiges Zeugnis von seinem tiefen Glauben gegeben. Dass er bereit ist für alles, fürs Leben, aber auch zu Christus heimzugehen. Innerhalb weniger Tage wurden diese Videoclips hunderttausende Mal aufgerufen. Hier spürt man, da ist ein überzeugter Christ, der für seinen Glauben lebt und zu sterben bereit ist.

 Jesus sagt uns, es ist gut, dass ich zum Vater gehe, damit der Hl. Geist kommen kann. Er führt uns nicht nur in die ganze Wahrheit ein. Er ist auch derjenige, der uns in allem die nötige Kraft gibt.

Pater Hans Buob hat einmal gesagt, wenn Christus heute leben würde, würde er für den Hl. Geist sicherlich auch das Bild vom elektrischen Strom nehmen. Man sieht ihn nicht, man hört ihn nicht, riecht ihn nicht, aber man spürt seine Wirkung und sieht die Wirkung. Zunächst einmal macht Elektrizität unser Leben hell z. B. durch Glühlampen. Das heißt übersetzt, der Hl. Geist will durch uns die Welt hell machen, dass wir Orientierung haben. Christus allein gibt uns die wahre Orientierung für unser Leben.

Elektrizität bewegt die größten Maschinen, es steckt eine wahnsinnige Kraft dahinter. Auf den Hl. Geist übertragen ist er diese göttliche Dynamik. Mit nie erlahmender Kraft wirkt er. Je mehr sich Menschen ihm überlassen haben, desto mehr hat man erleben dürfen, was dieser Geist aus ihnen gemacht hat.

Schließlich ist Strom aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken, denken wir an unsere elektronischen und elektrischen Geräte. Alles hängt von ihm ab, wie hilflos wir ohne Strom geworden sind, macht jeder Stromausfall mehr als deutlich. Auf den Hl. Geist übertragen, er ist der Beweger unseres gesamten geistlichen Lebens. Ohne ihn ist kein Sakrament wirksam. Menschen, die sich dem Hl. Geist öffnen und sich damit zu Heiligen umgestalten lassen, sind dynamische, kraftvolle Menschen. Der Pfr. von Ars sagt selber über seine Willenskraft: Ich habe einen guten Kadaver, ich bin hart, nach zwei Stunden Schlaf oder nachdem ich etwas zu mir genommen habe, kann ich neu anfangen. So konnte auch er ein Arbeitspensum und eine Leidensstärke bis ins hohe Alter auf sich nehmen, das wir nicht nachahmen, aber sicher bewundern und ein Stück weit für uns etwas als Vorbild herausnehmen können. Die Kraft des Hl. Geistes ist geradezu bis ins Körperliche in seinem Leben greifbar.

Der Hl. Geist ist bekanntlich nicht auf Heilige fixiert, sondern auf die Sünder. Denn die möchte er zu Heiligen heranbilden. Seine Aufgabe ist es, die Welt mit dem zu beschenken, was diese nicht hat, nämlich mit der Heiligkeit. Heilig ist nur Gott allein und nur in der Berührung mit Gott können auch wir in die Heiligkeit hineingezogen werden und wachsen.

So wie Jesus die Menschennatur angenommen hat, so möchte uns der Hl. Geist Anteil am göttlichen Wesen geben. In erster Linie geschieht das in Umkehr und Buße, in der Hl. Beichte, in der Gott die größten und meisten Gnaden der Umkehr und Erneuerung schenkt. Die Beichte setzt uns wieder in den Gnadenstand, der uns bei der Hl. Taufe geschenkt wurde.

Der Hl. Papst Johannes Paul II. hat bei seinem ersten Deutschlandbesuch 1987 zu den in Fulda versammelten Bischöfen gesagt: Manche meinen die Zeit des Christentums neige sich in eurem Land dem Ende zu. Ich sage nein, es beginnt erst, aber verwendet dazu all eure Kraft auf die Wiedergewinnung der Hl. Beichte dann gibt es einen Neuanfang des Christentums in eurem Land.

Die Beichttätigkeit des Hl. Pfarrers von Ars ist uns allen bekannt, bis zu 17 Stunden am Tag, wir möchten fast sagen, in diesem Marterwerkzeug. Aber durch den Beichtstuhl, da sind sich viele Autoren der Zeitgeschichte einig, hat er die Französische Revolution überwunden.

Wenn wir auf weitere Kennzeichen des Hl. Geistes schauen, die beim Hl. Pfarrer von Ars sinnenfällig waren, können wir sagen, bei aller weltlichen Beschränktheit hatte er in außergewöhnlichen Maße eine hellsichtige Geistesschärfe, die augenblicklich das Geheimnis der Seelen durchdringt. Die Seelenschau war eine Gnadengabe, ein Charisma des Hl Geistes. Sein außergewöhnlicher Gebets- und Bußeifer für die Bekehrung seiner Pfarrangehörigen war geradezu schaudererregend, wie er seinen Körper dazu benutzt hat, um ihn zu kasteien.

Er hatte auch einen tiefgründigen Humor. Dieser Priester, der so innig mit Gott verbunden war, hatte auch seine Freude an Späßen und Scherzen. Aber auch seine Heiterkeit, war wirklich ein beherrschender Zug in seinem Charakter. Wer sich vom Geist Gottes getragen weiß, wer um seine Berufung weiß, wird immer eine Heiterkeit ausstrahlen. Ein Zeitgenosse sagt, wer diesen beherrschenden Zug seines Charakters nicht gesehen hat, der weiß nichts vom wahren Gesicht dieses Heiligen. Einmütig bestätigen alle, die ihm nahestanden, dass er eine Reihe von Eigenschaften besaß, die den Umgang mit ihm zur Freude machten. In seinem Wesen war nichts, was die Aufmerksamkeit auf die eigene Person gelenkt hätte, nichts Gezwungenes, nichts Affektiertes, nichts von einem Menschen, der danach strebt im Vordergrund zu stehen. Er hatte die Einfachheit eines Kindes. Seine Ungezwungenheit, seine Arglosigkeit, seine Reinheit verbanden sich mit einem feinen Takt und verliehen seiner Persönlichkeit einen unsagbaren Zauber.

Trotz dieser großen Verehrung, die ihm diese Pilger entgegengebracht haben, ist er immer der einfache Pfarrer geblieben. Es hat ihn scheinbar überhaupt nicht berührt. Abbé Raymond frage ihn: Wie kann man demütig bleiben, wenn man mit Ehrungen, Lob und Schmeicheleien überschüttet wird. Seine Antwort: Mein Freund, wenn die Heiligen einen bestimmten Grad der Vollkommenheit erreicht haben, sind sie ebenso unempfindlich für das Lob wie für den Tadel.

Aber der Weg dorthin war auch für ihn alles andere als einfach und leicht. Auch die Heiligen müssen kämpfen, sie müssen ringen um diese Gaben Gottes. Der Hl. Geist gibt uns die Kraft. Aber er wirkt es nur, wenn wir mithelfen, wenn wir in großer Treue mit dabei sind.

Der Hl. Philipp Neri, er wird gerne als der Spaßvogel Roms bezeichnet, von ihm wissen wir, dass er nächtelang in den Katakomben gebetet hat. Schließlich wurde ihm eine Vision zuteil, eine gewaltige Lichtkugel drang während des Gebets in seine Brust ein und das Herz weitete sich, was einige gebrochene Rippen zur Folge hatte. Nach seinem Tod hat eine Untersuchung ergeben, dass sein Herz den doppelten Umfang eines normalen Menschenherzens hatte.

Ja, der Hl. Geist, er weitet unsere Herzen. Gerade jetzt in der Corona-Zeit müssen wir feststellen, ein winzig kleiner Virus hat viele in Angst und Schrecken versetzt. Angst kommt von der Enge, der Beklemmung, der Bangigkeit. Die Angst verkleinert unseren Radius an Hoffnung und Zuversicht und Freude.

Deshalb sagen alle Engel bei Erscheinungen zu allererst: Fürchte dich nicht. Das heißt: mach dein Herz nicht zu für die Botschaft, die ich dir zu bringen habe. Denn meine Botschaft ist eine Botschaft der Freude, eine Botschaft der Weite und des Friedens.

Vergessen wir nie, Gott will uns nicht in Angst versetzen. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber und wenn wir den Hl. Geist in uns spüren und haben, dann wird er uns in diese Weite führen. Ein weites Herz ist ein wohlwollendes Herz, ein Herz, das die Not der Menschen aufnimmt, nicht unberührt bleibt.

Wir leiden oft so sehr unter der Gefühlskälte anderer Menschen, manchmal auch unter unserer eigenen Gefühlskälte, dass wir oft zu wenig Empathie gegenüber der Not anderer Menschen aufbringen. Manchmal ist man erschreckt über sein eigenes Herz!

Ein wohlwollendes Herz ist ein Herz, das sich anfüllen lässt mit den Gaben des Hl. Geistes, um dann wieder in den Früchten des Hl. Geistes segensvoll für andere zu wirken. Diese Früchte zählt der Hl. Paulus im Galaterbrief (5.22) auf. An diesen Früchten erkennen wir, wirkt der Hl. Geist in mir oder wirkt der Ungeist. Wir sollten diese Stelle öfters zur Gewissenserforschung zur Hand nehmen. Bin ich auf diesem Weg? Zeitigen sich in meinem Leben Früchte des Hl. Geistes?

Dieses wohlwollende Herz ist aber auch ein Herz, das sich die Anliegen des Freundes, unseres wahren Freundes Jesus Christus zu eigen macht. Dass ich mich frage: Herr, was bewegt dein Herz? Wie kann ich dieses, dein Herz trösten? Wie kann ich deinem Herzen helfen Seelen zu retten? Das ist sein größtes Anliegen. Das war auch das größte Anliegen des Hl. Pfarrers von Ars.

Das machen wir am allermeisten, wenn wir ein Leben führen, das in Heiligkeit ist. Gerade davon war der Hl. Pfarrer zutiefst bewegt, das hat ihm keine Ruhe gelassen. Und wenn nur eine einzige mir anvertraute Person für immer Gott verlustig geht, unausdenkbar! Hierfür lohnt sich jede Mühe. Auf dieser Welt müssen wir arbeiten und kämpfen, die Ewigkeit wird lange genug sein uns auszuruhen.

Für den Pfr. Von Ars waren die falschen Gottesbilder immer etwas Furchtbares, wo die Menschen den göttlichen Vater eher wie einen Polizisten, als einen vor Liebe glühenden Vater sahen. Er sagt, es gibt Menschen, die dem ewigen Vater ein hartes Herz zuschreiben, oh, wie sehr täuschen sie sich! Der ewige Vater hat, um seine eigene Gerechtigkeit zu entwaffnen, seinem Sohn ein über alles Maß gutes Herz gegeben. Man gibt nicht, was man nicht hat!

Der Heiland hat zu seinem Vater gesagt, mein Vater vergib ihnen. Bei dem Wort am Kreuz müssen wir natürlich denken, Jesus entschuldigt uns, er klagt uns nicht an, obwohl er allen Grund gehabt hätte. An anderer Stelle sagt er einmal, ich rede nichts, was ich den Vater nicht reden höre. Das Wort Vater vergib, denn sie wissen nicht was sie tun, ist ein Wort, das Jesus seinem Vater abgelauscht hat. Eine Haltung, eine Gesinnung seines himmlischen Vaters. Jesus durfte die Gesinnung seines Vaters in seiner Person sichtbar machen, hörbar machen, berührbar machen. Vergessen wir das bitte nie! In Christus sehen wir, hören wir und erleben wir, Gott Vater selbst. Woher hat der Pfarrer von Ars dieses Vertrauen auf den guten Vater? Er selber wird sagen, dieses Vertrauen in einen guten, bergenden Gott hat die Mutter schon ins Herz der Kinder gepflanzt. Wir sollten beten, dass Gott vielen Kindern eine Mutter an die Hand gibt, die dieses Vertrauen in ihre Herzen pflanzt. Gerade die Coronakrise hat in den Kindern und Jugendlichen große Schäden hinterlassen. Wie wichtig wäre es für diese Kinder und Jugendliche das Wissen, dass sie in der großen Hand Gottes geborgen sind. Ja, dass wir in seiner Barmherzigkeit schwimmen. Wieviel Friede und Ruhe geht von so einem Wissen aus, wenn die Eltern wirklich ihre Kinder am Abend in die Hände dieses guten Gottes bergen würden.

Dieser Gott er ist ja nicht nur barmherzig, er ist ja auch allmächtig! Das heißt, nichts ist ihm unmöglich. Wenn ich das weiß, dann werde ich auch zu diesem Gott beten, voll Vertrauen, voll Zuversicht und hier kann uns der Hl. Pfarrer von Ars wirklich ein ganz großes Vorbild sein.

Ich möchte nicht mit Gedanken vom Pfarrer von Ars schließen, sondern mit Gedanken von Don Dolindo, der uns sagt: Wer betet ist wirklich bewaffnet, ist stark und unbesiegbar. Denn schon allein das Gebet erschüttert alle menschlichen und teuflischen Pläne und vermag sogar Gott zu neuen Plänen seiner liebevollen Barmherzigkeit zu bewegen. Das Gebet ist eine vielfältige, bewundernswerte Kraft, die Auswirkungen auf Geist und Materie hat, auf die Geschöpfe und den Schöpfer selbst.

Bitten wir also immer wieder den Hl Geist, den Geist, der der Unterwelt entgegentritt, der den entfesselten Dämonen Einhalt gebietet und der uns Kraft im Guten gibt, dass wir einmal mit dem Apostel Paulus sprechen können: Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt (2 Tim. 4,7)

Protokoll Elisabeth Johann 4.07.2021